Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 3085
Sigharting (Bezirk Schärding, Oberösterreich)

Pfarrkirche St. Pankratius: Johann Ulrich von Pirching

Die Pfarrkirche St. Pankratius in Sigharting steht direkt nordwestlich des Schlosses, sie war früher sogar die Schloßkapelle, bis sie 1785 Pfarrkirche wurde. Es handelt sich um eine spätgotische Kirche aus dem 15. Jh., die 1699-1701 um zwei Joche nach Westen verlängert  wurde, 1722 erneut erweitert wurde und 1807-1808 nach Osten mit einem neuen Chor noch einmal um knapp 10 m Länge erweitert wurde. Bei der barocken Erweiterung entstanden auf der Nordseite eine neue Sakristei und ein neuer Turm, der 1732, 1750 und 1893 jeweils noch einmal umgearbeitet wurde und 37 m Höhe mißt. Die letzte Erweiterung des Kirchenschiffes fand 1868-1869 statt, damals bekam die Kirche im Norden ein neues Seitenschiff in der Breite des Turmes, außerdem eine zweigeschossige Empore. Hans Carl von Pirching hatte 1610-1620 eine Familiengruft in der Schloßkapelle einrichten lassen; vorher wurden die Mitglieder der Schloßherrenfamilie in der Altpfarre Taufkirchen bestattet. Anfang des 20. Jh. wurde bei der Pflasterung der Kirche die Gruft zugeschüttet. Zwei Grabsteine haben sich erhalten, wovon der eine hier vorgestellt wird.

Der Grabstein für Johann Ulrich von Pirching (-13.1.1632), den letzten Pirchinger auf Sigharting, mißt 1,94 m x 1 m und besteht aus rotem und grauem Marmor.  Er wurde nur 22 Jahre alt, und mit ihm erlosch die Familie. Das graue Reliefbild in der Mitte zeigt den Verstorbenen, der vor dem Kruzifix auf einer niedrigen Bank kniet, die Hände zum Gebet zusammengelegt, in voller Rüstung, aber mit abgelegtem Helm, so daß die Lockenpracht bis auf die Schultern fällt. Am rechten Rand der Tafel schiebt der Tod in Form eines Gerippes mit einer Hand den Vorhang zur Seite, um mit der anderen Hand scheinbar nach dem überdimensionierten Helm, aber endgültig wohl nach dem Betenden zu greifen.

 

Die Inschrift im oberen Teil des Zentralfeldes ist auf einem Tuch angebracht, das von einem Gerippe hochgehalten wird, von dem aber nur Schädel und die zwei die Zipfel ergreifenden Hände sichtbar sind. Entsprechend der Form des Tuches sind alle Zeilen nach unten durchgebogen. Die oberen vier Zeilen und die unterste Zeile sind in Latein und in Kapitalis ausgeführt, die Zeilen dazwischen sind deutsch und bis auf die Monatsangabe in Fraktur. Wortlaut des ersten Teils: "GENERATIO MEA ABLATA EST / AME SVCCISA EST VELVT A TEXENTE / VITA MEA DVM ADHVC ORDIRER / SVCCIDIT ME ISAIAE 38 / ." Isaia 38, 12 lautet vollständig: "generatio mea ablata est et convoluta est a me quasi tabernaculum pastorum praecisa est velut a texente vita mea dum adhuc ordirer succidit me de mane usque ad vesperam finies me" - Meine Zeit ist dahin und von mir weggetan wie eines Hirten Hütte. Ich reiße mein Leben ab wie ein Weber; er bricht mich ab wie einen dünnen Faden; du machst's mit mir ein Ende den Tag vor Abend.

Dann folgen die biographischen Daten: "Alhie ligt begraben der Wollgeborn / Herr Herr Johann Ulrich Freyherr von Pir/hing zue Sigharting und Pronbach der / Churfür. Durchl. in Bayrn ec. gewesster / Hofrath und Mundschenckh welcher im / 22. Jahr seines Alters ohne Leibs Erben / in Gott seeligelich entschlaffen ist. Den / 13. Tag January Im Jahr nach / Christi Geburth 1632 / CVIVS ANIMA DEO AETERNVM VIVAT". Darunter gibt es noch in den Ecken den Renovierungsvermerk "R. V. 1879."

Johann Ulrich von Pirching hatte seinerseits Johanna Katharina von Leublfing geheiratet. Ganz unten auf der Grabplatte sind die beiden Wappen dieses Ehepaares dargestellt. Heraldisch rechts befindet sich das vermehrte Wappen der von Pirching, wie es am 5.11.1630 zu Regensburg diesem Johann Ulrich von Pirching (Pürching) zu Sigharting, reichserbländisch kurbayrischer Hofrat und Truchseß, sowie seinem Bruder Georg Ehrenreich von Pirching und seiner Schwester Anastasia von Pirching, zusammen mit dem Freiherrenstand als Wappenbesserung verliehen worden ist. Es handelt sich um die Vereinigung ihres angestammten Wappens mit jenem des ausgestorbenen und mit ihnen verwandten Geschlechts der von Nußberg (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 319.6). Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: golden-schwarz schräggeteilt mit drei auf die Teilungslinie schräglinks gelegten Rauten in verwechselten Farben (von Pirching), Feld 2 und 3: in Rot ein in drei Reihen blau-silbern balkenweise links gerauteter Balken (von Nußberg), dazu werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): zu schwarz-goldenen Decken ein Flug, beiderseits wie der Schild bezeichnet (von Pirching), Helm 2 (links): zu rot-silbernen Decken ein silberner Federbusch (von Nußberg).

Das zweite groß hervorgehobene Wappen im unteren Teil der Platte ist dasjenige der Freiherren von Leublfing, es ist geviert, Feld 1 und 4: dreimal silbern-rot geteilt (von Leublfing), Feld 2: gespalten, rechts blau-silbern dreimal schräglinksgeteilt, links ledig und rot, Feld 3: gespalten, rechts ledig und rot, links eigentlich in Silber zwei blaue Schrägbalken, hier eine Linie zu wenig (Rainer von Rain). Dazu werden zwei Helme geführt: Helm 1 (rechts): zu rot-silbernen Decken auf einem roten Kissen mit goldenen Quasten ein silberner Hund (Bracke) sitzend (von Leublfing), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein Flug, gespalten, innen rot, außen in Silber zwei blaue Schrägbalken (rechts Schräglinksbalken, links Schrägrechtsbalken, Rainer von Rain).

Zu dieser Wappenvereinigung kam es aufgrund einer ehelichen Verbindung beider Familien in der Großeltern-Generation, wo die Familie der Rainer von Rain mit der erheirateten Erbtochter erlosch. Die Schlüsselehe war die von Paul (Paulus) von Leublfing auf Hautzenstein und Salern zu Rain und Grafentraubach (-1592), der 1573 in erster Ehe Ursula Freiin von Rainer zu Rain (-1588) und zu Sommeregg heiratete, die Erbtochter von Hans Joachim Freiherr Rainer von und zu Rain (-1569), Burggraf und Herr von Sommeregg, herzoglicher Rat zu Straubing; seine Frau brachte Schloß und Herrschaft Rain in die Ehe mit und begründete damit die beschriebene Wappenvereinigung beider Familien. Die Familie ist nicht zu verwechseln mit den Rainer von Erb bzw. Rainer von Lotterhaim, die weiter unten in der Ahnenprobe diskutiert werden.

Das Wappen in dieser Form wurde der Familie Leublfing am 4.9.1604 zu Prag verliehen, als die Brüder Johann Christoph und Johann Adam von Leublfing auf Rain und Grafentraupach den Panierherrenstand und Freiherrenstand verliehen bekommen haben (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 247.10). In den Unterlagen der Verleihung von 1604 gibt es eine schnelle Skizze, die das Wappen etwas anders aufreißt: Geviert, Feld 1 und 4: wie oben, Feld 2: gespalten, rechts in Blau zwei silberne Schräglinksbalken, links ledig und rot, Feld 3: gespalten, rechts ledig und rot, links in Blau zwei silberne Schrägbalken, Helm 1: wie oben, Helm 2: auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein Flug, gespalten, außen rot, innen in Silber zwei blaue Schrägbalken, rechts Schrägbalken, links Schräglinksbalken. In der Praxis setzte sich wohl eine gewisse Variantenvielfalt hinsichtlich Anzahl der Trennlinien, Richtung der Schrägbalken und Farbverteilung durch. Interessant ist auch die Abweichung zum Wappen der Rainer von Rain, das in der Ahnenprobe gezeigt wird (s. u.). Am 6.6.1690 erlangte die Familie den Grafenstand, dabei wurde dem Wappen noch ein silberner Herzschild mit einem roten Hirschgeweih mit Grind aufgelegt (Truchseß von Eggmühl), dazu kam ein dritter Halm an Position 2 (rechts) hinzu, zu rot-silbernen Decken das Hirschgeweih. Die Begünstigten dieser zweiten Standeserhebung waren Franz Pankraz von Leublfing auf Rain, kaiserlicher Kammergerichtsassessor zu Speyer, kurbayrischer Kämmerer, geheimer Rat und Konferenzrat im Ministerium, Wolf Sigmund von Leublfing auf Rain, Dompropst zu Regensburg, dessen Neffen Joachim Albrecht von Leublfing, Kapitular des Erzstiftes Salzburg, Carl Christian von Leublfing, Kapitular der Stifte Eichstätt und Passau, Franz Ludwig von Leublfing, Deutschordensritter, Wolf Jakob von Leublfing, Assessor des kaiserlichen Kammergerichts, Johann Friedrich von Leublfing, Paul Christoph von Leublfing, alle kurbayerische Erbtruchsessen (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 247.11).

 

Nun wenden wir uns der Ahnenprobe zu, die aus 2 x 4 beschrifteten und damit namentlich zugeordneten Wappenschilden am Rand der Grabplatte besteht, jeweils von oben nach unten zu lesen, auf der Schwertseite (optisch links) sind die Vorfahren des Ehemannes zu finden, auf der Spindelseite (optisch rechts) diejenigen der Ehefrau. Beginnen wir heraldisch oben rechts (optisch oben links): Johann Ulrich von Pirching (-13.1.1632) war der Sohn von Johann Karl von Pirching (-4.1.1626) und Anna Jakobe Freiin von Preysing (-1.7.1632). Dieser Johann Karl von Pirching und Pronpach hatte sich bereits 1616 um Verleihung des Freiherrnstandes mit Wappenbesserung durch Vereinigung mit dem Wappen des verstorbenen Vetters von Ottenberg bemüht, doch sein Gesuch blieb unerledigt liegen (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 319.5). Die Idee war folgende: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: golden-schwarz schräggeteilt mit drei auf die Teilungslinie schräglinks gelegten Rauten in verwechselten Farben (von Pirching), Feld 2: gespalten, rechts in Schwarz zwei silberne gestürzte Spitzen, links silbern-schwarz gespalten mit zwei abgehauenen Bärentatzen in verwechselten Farben (Kombination aus Ottenberg-Elementen), Feld 3: gespalten, rechts in Silber zwei schwarze Spitzen, links schwarz-silbern gespalten mit zwei abgehauenen Bärentatzen in verwechselten Farben (Kombination aus Ottenberg-Elementen, Variation), Herzschild: silbern-schwarz gespalten, rechts zwei schwarze, links zwei silberne Spitzen (modifiziert von Ottenberg), dazu werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): zu schwarz-goldenen Decken ein Flug, beiderseits wie der Schild bezeichnet (von Pirching), Helm 2 (links): zu schwarz-silbernen Decken zwei aufgereckte Bärentatzen, die rechte schwarz, die linke silbern (von Ottenberg). Aber aus dieser Idee wurde nichts, und 1630 gab es für den Sohn ein anderes Wappen, wie oben beschrieben. Hier wird unter "Pirhing" der weiter oben vorgestellte Schild dargestellt. Nun zur Mutter: Anna Jakobe Freiin von Preysing ("Preising") führt den Schild rot-silbern mit zwei Zinnen geteilt. Die hier nicht verwendete Helmzier wäre, wenn wir die Gewölbemalerei im Schloß als Maßstab und Vergleich heranziehen, auf dem Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-silbernen Decken ein grüner, golden gekrönter Sittich zwischen zwei Büffelhörnern, das rechte silbern, das linke schwarz, außen mit je sechs Lindenblättern in Gegenfarbe besteckt, davon je drei in der Mündung. Aber für diese Familie werden noch andere Varianten in der Literatur beschrieben, Pfauenspiegel anstelle der Lindenblätter, andere Farbverteilung etc.

 

Johann Ulrichs Großeltern waren väterlicherseits Hector von Pirching (erhielt zusammen mit seinem Bruder Johann, mit dem er in den Feldzügen gegen die Türken war, am 20.7.1559 die Rotwachsfreiheit) und Dina von Franking und mütterlicherseits ein namentlich nicht identifizierter Freiherr von Preysing und eine Frau von Trennbach. Das Wappen der von Franking (Francking, hier "Fränckhing") ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Gold ein auffliegender schwarzer Rabe (Stammwappen Franking), Feld 2 und 4: in Rot Kopf und Hals eines silbernen Greifen (Ramseider), Herzschild: in Gold auf einem schwarzen Kissen mit roten Quasten (fehlt hier) eine ebensolche Katze sitzend (abgeleitet vom zweiten Kleinod der Franking). Dazu führt die Familie drei Helme, Helm 1 (Mitte): auf dem ungekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem schwarzen Kissen mit roten Quasten sitzend eine schwarze Katze (zweites Kleinod der Franking), Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein auffliegender schwarzer Rabe (Stammkleinod Franking), Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken Kopf und Hals eines silbernen, rotgezungten Greifen (Ramseider). Die Vettern Johel und Otto Heinrich von Francking auf Adeldorf und Riedau im Hausruckkreis, erhielten anläßlich ihrer Erhebung in den Freiherrenstand am 26.1.1605 zu Prag eine Wappenbesserung durch Vereinigung ihres angestammten Wappens mit jenem ihres befreundeten, nun ausgestorbenen Geschlechtes der Ramseider bzw. Rambseider (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 119.14). Am 24.5.1697 ersuchte Heinrich Gottlieb von Francking um die Reichsgrafenwürde (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 253.22), im entsprechenden Dokument wird das Wappen leicht anders wiedergegeben, in Feld 2 und 3 in Rot Kopf und Hals seines gekrönten, silbernen, schwarzgefleckten Panthers, auf dem zugehörigen Helm ein gekrönter Pantherkopf. Die Entwicklung des Wappens wird beschrieben im Siebmacher Band: OÖ Seite: 48 Tafel: 22.

Das letzte, unterste Wappen der Reihe ist das der von Trennbach ("Trennbach"), es ist geviert, Feld 1 und 4: schwarz-golden geteilt, oben drei goldene Rauten balkenweise (Intobler), Feld 2 und 3: in Silber ein roter Drachenkopf, im Schnabel einen schrägrechts gestellten goldenen Stab haltend (Trennbach). Normalerweise wird die umgekehrte Anordnung verwendet mit dem Stammwappen in den höherrangigen Feldern. Da beide Drachenköpfe nach heraldisch rechts schauen, liegt auch keine Courtoisie vor. Zu diesem Wappen werden zwei Kleinode geführt, Helm 1 (üblicherweise rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken in roter Drachenkopf, im Schnabel einen goldenen Stab, der zu beiden Seiten rechtwinklig nach oben abknickt und an gekrönten Enden je einen Pfauenstoß trägt (Trennbach), Helm 2 (üblicherweise links): auf dem Helm mit golden-schwarzen Decken ein wachsender Mannesrumpf in goldenem Gewand, auf dem bärtigen Kopf ein goldener Hut, dessen schwarzer Stulp mit drei goldenen Rauten belegt ist, oben gekrönt und mit einer schwarzen und einer goldenen Straußenfeder besteckt (Intobler), so nach dem Wappenbuch des churbayrischen Adels.

 

Nun auf der Spindelseite zu Johann Ulrichs Frau, Johanna Katharina von Leublfing. Sie war nach Biedermann die Tochter von Hans Christoph Freiherr von Leublfing und dessen erster Frau, Eva von Seiboldsdorf. Ganz oben beginnt die Reihe mit dem bereits vorgestellten Schild der Leublfing ("Leiblfing"), hier in Feld 2 drei Schrägteilungen, in Feld 3 vier Schräglinien, also zwei Schrägbalken. Darunter folgt der schlichte und schöne Schild der von Seiboldsdorf ("Seibotstorf"), von Silber und Rot mit zwei Stufen schräggeteilt (Stufenschnitt). Zu diesem Wappen würde als Kleinod zu rot-silbernen Decken ein beiderseits von Silber und Rot schräg mit zwei Stufen geteilter Flug gehören, rechts schräglinks, links schrägrechts (Wappenbuch des churbayrischen Adels, Siebmacher Band: Bay Seite: 22 Tafel: 16, Band: He Seite: 26 Tafel: 28, Band: Erg Seite: 9 Tafel: 3). Die Familie hat ihren Stammsitz in Seyboldsdorf bei Vilsbiburg in Bayern. Am 2.6.1692 erhielten Johann Georg von Freyen-Seiboldsdorf, Herr auf Hörgertshausen, Mauern, Dulpach, Meyr, Fligelsperg und Sigenershausen, Otto Heinrich von Freyen-Seiboldsdorf auf Frauen-Sattlern, Reitgerting, Tunzing und Mähring, und Andreas Ludwig von Freyen-Seiboldsdorf zu Wien den Grafenstand für das Reich und die Erblande, dazu eine Wappenbestätigung und -besserung (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 123.17). Das gräfliche Wappen war dann geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: von Silber und Rot mit zwei Stufen schräggeteilt (Stammwappen Seiboldsdorf), Feld 2 und 3: in Gold ein auf beiden Häuptern gekrönter schwarzer Doppeladler (Gnadenwappen), Herzschild: rot-silbern gespalten mit einem aus dem unteren Rand hervorwachsenden Ritter (Vermehrung um der Vermehrung willen). Dazu werden drei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (Mitte): ein wachsender Ritter mit erhobenem Schwert in der Rechten, die Linke eingestemmt, Helm 2 (rechts): ein beiderseits von Silber und Rot schräg mit zwei Stufen geteilter Flug, rechts schräglinks, links schrägrechts (Stammkleinod), Helm 3 (links): ein gekrönter schwarzer Doppeladler, Decken rechts rot-silbern, links schwarz-golden.

 

Johanna Katharinas Großeltern väterlicherseits waren ein Freiherr von Leublfing und eine Frau Rainer ("Rain"), deren Wappen sich nach Befund wie folgt identifizieren läßt: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: von Rot, Silber und Blau zweimal gespalten (Stammwappen Rainer von Erb), Feld 2 und 3: geteilt, oben rot, unten in Silber eine rote Spitze (Schenk von Neideck), Herzschild: gespalten, rechts in Silber zwei schwarze Balken (Literatur: schwarz-silbern fünfmal geteilt), links ledig und schwarz (Stammwappen Rainer von Lotterhaim). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 119 Tafel: 121, und es ist auch im Rietstap verzeichnet. Die Familie ist nicht zu verwechseln mit den Rainer von Rain, die von den Leublfing hinsichtlich des Wappens beerbt wurden. Bei diesem Wappen wie im Befund handelt es sich um die Rainer von Erb bzw. Rainer von Lotterhaim aus der Gegend von Friedberg, nicht um die Rainer von Rain. Zu diesem Wappenschild wie hier gezeigt würden drei gekrönte Helme passen: Helm 1 (Mitte): zu rot-silbernen Decken ein hoher, roter, silbern aufgeschlagener Hut, der Aufschlag mit einer roten Spitze, der Hut oben an der Spitze aus einer goldenen Krone fünf silberne Straußenfedern hervorkommend (Schenk von Neideck), Helm 2: (rechts): zu blau-silbernen Decken ein Flug, der rechte Flügel mit einem silbernen Schrägbalken von Rot und Blau schräggeteilt, der linke Flügel von einem silbernen Schräglinksbalken von Blau und Rot schräglinksgeteilt (Rainer von Erb), Helm 3 (links): zu schwarz-silbernen Decken ein Flug, beiderseits gespalten, rechts schwarz-silbern fünfmal geteilt, links schwarz (Rainer von Lotterhaim). Das vermehrte Wappen entstand durch Kombination des Stammwappens mit dem der Schenk von Neideck, die von ihnen beerbt wurden, und in einem nächsten Schritt wurde die Kombination mit dem Wappen der Rainer von Lotterhaim ergänzt.

Wie paßt das nun in die Genealogie? Biedermann führt eine Johanna Katharina von Leublfing mit ansonsten passender Genealogie hinsichtlich Seiboldsdorf auf, deren Großeltern Paul (Paulus) von Leublfing (-1592) und Ursula Freiin von Rainer zu Rain (-1588) waren, wobei zu letzterer das Rain-Wappen aber nicht paßt, außerdem hat Biedermann keine Ehe von Johanna Katharina mit Johann Ulrich von Pirching verzeichnet, sondern nur zwei andere Ehen. Entweder irrt Biedermann wie so oft, oder hier sind die verschiedenen Familien des Namens Rainer beim Bildhauer durcheinander gekommen. Die Rainer von Rain führten nach dem churbayerischen Wappenbuch ihr vermehrtes Wappen wie folgt: Geviert, Feld 1: gespalten, rechts in Blau zwei silberne Schräglinksbalken, links ledig und rot, Feld 2: gespalten, rechts in Silber zwei blaue Balken, links ledig und rot, Feld 3: gespalten, rechts ledig und rot, links in Silber zwei blaue Balken Feld 4: gespalten, links ledig und rot, links in Blau zwei silberne Schrägbalken. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken ein gespaltener halber Flug, hinten blau-silbern fünfmal schräg nach vorne geteilt, vorne ledig und rot. Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken ein Paar silberner Büffelhörner, außen mit je drei Straußenfedern in den Farben blau, silbern und rot besteckt. Ebenso wird es abgebildet im Hofkleiderbuch (CGM 1952). In Lienz (Tirol) gibt es in der St. Michaelskirche eine Variante, bei der in jedem Feld die Spalthälften gegeneinander ausgetauscht sind. In Siebmacher Band: BayA1 Seite: 54 Tafel: 52 wird eine weitere Variante bezüglich der Felderverteilung gegeben.

Johanna Katharinas Großeltern mütterlicherseits waren nach Biedermann Christoph von Seiboldsdorf und Regina von Parsberg. Das Wappen der von Parsberg ("Parsperg") ist unter rotem Schildhaupt silbern-schwarz gespalten. Die hier nicht verwendete Helmzier wäre auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein hoher Hut von Hermelin, oben golden gekrönt mit einem silbernen Federbusch. Die Familie stammt aus Parsberg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 83 Tafel: 82, Otto Hupp, Münchener Kalender 1934). Die von Parsberg waren Vasallen der bayerischen Herzöge. 1730 ist die Familie in Deutschland erloschen. Das Wappen wurde als Kommunalwappen aufgegriffen von der Stadt Parsberg, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps:
https://www.google.de/maps/@48.3954937,13.59913,20z?entry=ttu - https://www.google.de/maps/@48.3954937,13.59913,86m/data=!3m1!1e3?entry=ttu
Pfarrkirche auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrkirche_hl._Pankraz_(Sigharting)
Rupert Ruttmann: Die Pfarrkirche und ehemalige Schloßkapelle zum heiligen Pankratius in Sigharting, in: Oberösterreichische Heimatblätter, hrsg. vom Institut für Landeskunde von Oberösterreich, Jahrgang 19. Heft 3/4, Juli-Dezember 1965, S. 67-79, online:
https://www.ooegeschichte.at//fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/hbl1965_3_4_67-80.pdf
Genealogie Leublfing: Biedermann: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts an der Altmühl
http://books.google.de/books?id=KSZRAAAAcAAJ
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 319.6 https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2998055
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 319.4
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2718443
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 319.5
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2998054
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 247.10
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2533126
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 247.11
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2533128
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 119.14
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=1938907
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 253.22
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=4316900
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 123.17
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2234398
Familie von Parsberg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Parsberg_(Adelsgeschlecht)
Familie Rainer von Rain auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_zu_Rain
Familie von Leublfing auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Leublfing
Familie von Seiboldsdorf auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seiboldsdorf_(Adelsgeschlecht)
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