Bernhard
Peter
Mit
Füßen getreten
Heraldik
zu unseren Füßen:
Normalerweise muß man sich
die Hälse recken, um die Wappendarstellungen in großer Höhe an
Fassaden oder über Portalen zu erkennen, und nicht selten werden
die photographischen Möglichkeiten an ihre Grenzen geführt.
Doch es gibt Heraldik auch zu unseren Füßen, insbesondere im
Bereich kommunaler Heraldik, sei es als Pflaster-Mosaik auf
öffentlichen Plätzen, seien es die das Stadtwappen tragenden
Kanaldeckel der Städte - Verschönerung leicht anrüchiger
Objekte. Aber wichtige kommunale Aufgaben sind eben nicht nur die
der Schokoladenseite in den Rathäusern oder auf den Plätzen,
sondern auch Entsorgung und Hygiene, und so ist es nur logisch,
daß sich auch an den anrüchigen Orten kommunale Heraldik
findet, sei es in Form von städtischen Wappen oder
Siegelbildern. Meist kaum wahrgenommen, insbesondere mangels
Farbe auch kaum beachtet, säumen doch in etlichen Städten
Beispiele kommunaler Heraldik unseren Weg.

Mosaike: Waldenburg, Wappen Hohenlohe als Mosaik aus Pflastersteinen, in Silber zwei schwarze Leoparden übereinander.
Eine Stadt mit sehr vielen Pflaster-Mosaiken ist Freiburg. Freiburgs Innenstadtpflaster ist äußerst lebhaft gestaltet. Vor vielen Häusern finden sich Rheinkiesel-Pflastermosaike mit Schmucksymbolen, typischen Hinweisen oder auch Wappen. Eine solche Gruppe von Wappen ist z. B. vor dem Basler Hof, der heute als Regierungspräsidium genutzt wird. Entsprechend der offiziellen Funktion des Gebäudes finden wir hier Heraldik des Landes Baden-Württemberg und andere Symbole der Landeshoheit aus der Geschichte Freiburgs. Ein ideales Photomotiv bei Regen, weil dann erst die Farben der feuchten Kiesel satt glänzen.

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium), Abb. links: Fränkischer Rechen (korrekt: von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, hier fehlerhaft), Abb. rechts: Wappen Badens (in Gold ein roter Schrägrechtsbalken).

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium), Abb. links: Wappen der Hohenzollern (von Silber und schwarz geviert), Abb. rechts: Wappen des Hochstifts Basel (in Silber ein roter Baselstab)

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium), Abb. links: Wappen Österreichs (in Rot ein silberner Balken), Abb. rechts: Wappen der Pfalz (in Schwarz ein goldener, rot bewehrter und ebenso gezungter und gekrönter Löwe)

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium): Als Bundesland Baden-Württemberg (ab 1952) führt das Land ein großes und ein kleines Landeswappen. Das kleine Landeswappen hat nur in Gold 3 schwarze schreitende rotgezungte Löwen übereinander. Das große Landeswappen ist der Schild der einstigen Herzöge von Schwaben, in Gold 3 schwarze schreitende rotgezungte Löwen übereinander. Auf dem oberen Schildrand sechs kleine Schildchen der ehemals wichtigsten Herrschaften auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes: Fränkischer Rechen, Hohenzollern, Baden, Württemberg, Pfalz, Österreich. Genau in dieser Reihenfolge sehen wir die Schildchen auch hier von heraldisch rechts nach links. Zum großen Landeswappen gehören eigentlich noch zwei Schildhalter, der badische Greif und der württembergische Hirsch, diese sind hier nicht dargestellt. Abb. links bei Sonnenschein, Abb. rechts bei Regen.

Abb.: Freiburg, Pflaster-Mosaik vor dem Sickingen-Palais. Das in Entsprechung zur Darstellung am Gebäude oval ausgeführte Wappen der Freiherren von Sickingen zeigt hier innerhalb eines rotes Bordes Schwarz fünf (2:1:2) silberne Kugeln.
Vor dem Rathaus sind in die Straßenpflasterung als Rheinkieselmosaike eingelegt die Stadtwappen von Freiburg und der Partnerstädte. Weitere Wappen befinden sich auf dem Bürgersteig direkt vor dem Rathaus, ein weiteres vor dem Nebeneingang innerhalb der Arkade.

Freiburg, Pflaster-Mosaik vor dem Rathaus. Abb. links: Stadtwappen von Besançon (Frankreich) - in Gold ein schwarzer Adler, in seinen Fängen zwei rote Säulen pfahlweise haltend (d'or à l'aigle de sable, tenant de ses serres deux colonnes de gueules brochant sur les ailes). Das Wappen geht auf eine Stiftung durch Kaiser Karl V zurück, wobei der Adler des Kaiserreiches aber nur mit einem Kopf übernommen wurde; die Säulen sind die Säulen des Herkules und ein Symbol für die gallo-römische Vergangenheit der Stadt. Unter napoleon wurde das Wappen zeitweise geändert, ab 1804 ersetzte der Löwe den imperialen Adler, dazu kam ein rotes Schildhaupt mit drei goldenen Bienen für eine "gute Stadt" nach dem Muster napoleonischer Heraldik dazu: D'or au lion de sable, adextré et senestré d'une colonne de gueules, surmonté d'une croisette de sable, au chef de gueules a trois abeilles d'or. Dieses wurde wieder zugunsten des Originalwappens aufgegeben. Abb. rechts: Stadtwappen von Innsbruck (Österreich) - in Rot eine von oben gesehene, balkenweise gelegte silberne Brücke mit zwei Pfeilern, ein redendes Wappen, welches die Brücke über den Inn darstellt. Die früheste Darstellung datiert auf 1267, in seiner heutigen Form wird das Innsbrucker Wappen seit 1325 verwendet, wobei die Farben seit 1547 bekannt sind. Hier ist eine Form gewählt, die die Pfeiler als steingefüllte Kästen wiedergibt.

Freiburg, Pflaster-Mosaik vor dem Rathaus. Abb. links: Stadtwappen von Padua (Italien, Lombardei), in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz; der Schild ist golden gekrönt (Unterscheid zu Freiburg). Abb. rechts: Stadtwappen von Guildford (England, Surrey). Das Wappen zeigt innerhalb eines goldenen, mit drei schwarzen, rotbewehrten Krähen belegten Bordes über einem dreimal wellenförmig von Silber und Blau geteilten Wellenschildfuß in Schwarz auf einem grünen Berg zwischen zwei silbernen Wollsäcken eine silberne Burg mit drei Zinnentürmen, der mittlere Turm belegt mit einem von Frankreich und England gevierten Schildchen, die äußeren Türme mit spitzem Helm, die Mauer über dem Tor mit zwei Rosen balkenweise belegt, unter dem goldenen Fallgatter ein pfahlweise gestellter goldener Schlüssel, vor dem Tor liegend ein goldener, hersehender Löwe (sable, on a mount Vert between two woolpacks a castle with three towers Argent, the central one triple-towered and charged with a shield of the Royal Arms of France and England quarterly, the outer towers each surmounted by a spire, under the battlements two roses in fesse and within the open port beneath a portcullis a key all Or, on the mount before the port a lion couchant guardant also Or, the base barry wavy Argent and Azure, all within a bordure Or charged with three Cornish choughs proper). Zu diesem Stadtwappen würde noch eine Helmzier gehören, aus einer goldenen Krone, deren Zinken aus zwei Eicheln mit je einem Blätterpaar zwischen drei Ähren bestehen, wachsend ein silberner Löwe, um seinen Hals eine natürliche Schnur mit einem balkenweise gelegten schwarzen Schlüssel, zwischen den Pranken eine goldene Flachshechel haltend (out of a coronet composed of four ears of wheat and as many acorns slipped and leaved set alternately upon a rim Or, a demi-lion Argent about the neck a rope proper entwined there with a key fessewise Sable and between the forepaws a flaxbreaker Gold). Eine so detaillierte Wappendarstellung ist wirklich eine Herausforderung für ein Mosaik aus Rheinkieseln, so ist es nicht verwunderlich, wenn das königlich-englische Wappenschildchen nicht im Detail aufgelöst ist.

Eine weitaus hochwertigere und qualitätvollere Variante in den öffentlichen Raum eingelegter kommunaler Wappendarstellungen sind in das Pflaster eingelassene Metallplatten (Bronzegüsse) mit den entsprechenden Wappendarstellungen. Eine solche finden wir zwischen dem Grabenübergang zum Hauptportal des Schlosses von Hardheim einerseits und dem Schüttungsbau andererseits. Um den Wappenschild der Stadt Hardheim sind kreisförmig insgesamt neun weitere Wappenschilde von sieben zu Hardheim gehörenden Ortsteilen und ehemals selbständigen Gemeinden sowie von zwei Partnergemeinden im europäischen Ausland angeordnet. Dieses im Zuge der Neugestaltung des Schloßplatzes angefertigte Arrangement wurde anläßlich des des Partnerschaftstreffens bei der 950-Jahrfeier der Gemeinde Hardheim im Mai 2000 der Öffentlichkeit übergeben.

Nun kommen wir zu den Abwasserschachtdecken: Kanalabdeckung in Freiburg (Breisgau) mit dem Stadtsiegel, runde Variante. Das Stadtsiegel zeigt in Silber eine dreitürmige rote Stadtmauer mit offenen Toren, der mittlere Turm höher als die beiden anderen, mit zwei Turmbläsern auf den äußeren beiden Türmen, begleitet unten von einer Gleve (Lilie) und oben und außen von vier Sternen, die beide als Symbole für Gerichtshoheit, Gerechtigkeit und Landfrieden interpretiert werden.

Kanalabdeckung in Freiburg (Breisgau) mit dem Stadtsiegel, Ausschnittsvergrößerung aus einer viereckigen Variante, Beschreibung siehe oben. Das Stadtwappen von Freiburg zeigt hingegen in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, das alte Hochstiftswappen, das jedoch nicht vor dem 14. Jh. auftaucht. Es ist das selbe Zeichen, mit dem als Banner der Hl. Georg traditionell dargestellt wird, und so findet man es häufig bei Städten, deren Schutzpatron dieser ist, wie z. B. auch bei London.

Kanalabdeckung in Coburg mit dem Stadtwappen, in Gold ein schwarzer Mohrenkopf mit roten Lippen und goldenem Ohrring. Das Wappen stellt das Haupt des Hl. Mauritius dar, des Patrons der Pfarrkirche. Der Hl. Mauritius wurde im Mittelalter als "Mauretanier", also als Mohr dargestellt, obwohl er vermutlich nicht negroider Abstammung war. Bereits Münzen von 1354 und Siegel aus dem 16. Jh. zeigen diesen Mohrenkopf (ältestes Beispiel von 1521). Er war in der Legende bekannt als Führer der thebäischen Legion und erlitt den Märtyrertod wegen Befehlsverweigerung.

Kanalabdeckung in Trier mit dem Stadtwappen, in Rot St. Petrus in goldenem Gewand mit goldenem Schlüssel in der Rechten und goldenem Buch in der Linken, silbern nimbiert. Dies ist die alte Version, die nur noch an wenigen Stellen in Trier zu finden ist, dieses Beispiel ist vor dem AVG. Es ist auf 1901 datiert. Meist ist diese alte Version schon so abgeschliffen, daß das Datum nicht mehr zu erkennen ist; dies ist eines der besser erhaltenen Exemplare. Wie die neue Version liegt über dem Schild eine Mauerkrone. Verschnörkeltes Rankwerk füllt die Zwischenräume.

Kanalabdeckung in Trier in der neueren Version mit dem Stadtwappen, in Rot St. Petrus in goldenem Gewand mit goldenem Schlüssel in der Rechten und goldenem Buch in der Linken, silbern nimbiert. Petrus ist der Patron der Stadt und des Erzstiftes. Er findet sich auch im Wappen des Domkapitels, wo er von dem roten Kreuz in Silber des Hochstiftes unterlegt ist. Die neue Version hat den typischen genormten Lochkranz außenherum; der Wappenschild ist begradigt, das Schnörkelwerk ist verschwunden.

Kanalabdeckung in Dresden mit dem Stadtwappen, gespalten, vorne in Gold ein rotbewehrter und -gezungter schwarzer Löwe, hinten in Gold zwei schwarze Pfähle. Der schwarze Löwe in Gold ist das Wappen der Markgrafen von Meißen, das alte Wettiner Wappen. Die zwei Pfähle leiten sich ab vom Wappen der Markgrafen von Landsberg. Diese sog. Landsberger Pfähle sind jedoch richtig blau in goldenem Felde, doch diese Kombination führt bereits die Stadt Leipzig. Folglich wurden die Dresdener Pfähle schwarz zur Unterscheidung. Vier Städte vereinigen heute zwei alte wettinische Wappen und sind leicht zu verwechseln:

Kanalabdeckung in Meißen mit dem Stadtwappen, in Gold ein rotbewehrter schwarzer Löwe, der einen roten Zinnenturm mit rotem Spitzdach hält. Das Spitzdach wird u. a. bei Hupp und Decku früher mit blauer Farbe abgebildet, heute wird es von der Stadt mit roter Farbe geführt. Der schwarze Löwe in Gold ist das Wappen der Markgrafen von Meißen, der dem Wappen der ehemaligen Herrscher entlehnt und mit einem Turm als Symbol für die Stadt kombiniert wurde. Das heute in Gebrauch befindliche Stadtwappen erscheint ab 1522 in den Stadtsiegeln. Heute führt der Landkreis Meißen den rotbewehrten und rotgezungten schwarzen Löwen in Gold mit einem roten Innenbord, nachdem er erst den unveränderten Meißener Löwen hatte, wie ihn auch die Markgrafen führten, dann ab dem 23.12.2008 nach einer verwaltungstechnischen Erweiterung den Meißener Löwen innerhalb eines roten Bordes, was jedoch ältere Rechte verletzte, denn der Meißener Löwe innerhalb eines roten Bordes ist das Wappen der 1985 gegründeten heraldischen Gesellschaft "Schwarzer Löwe" in Leipzig. Die modifizierte Version mit dem Innenbord wurde am 19.03.2009 durch den Landkreis angenommen, so daß wieder Wappeneindeutigkeit herrscht und die Panne behoben ist.

Kanalabdeckung in Pirna mit dem Stadtwappen, in Gold auf einem grünen Dreiberg ein grüner Birnbaum mit sieben goldenen Birnen, an dessen Stamm zwei rote, einwärtsgekehrte Löwen emporklettern. Eigentlich ist es sogar ein Vollwappen mit einem grünen Birnbaum mit goldenen Früchten als Helmzier auf gekröntem Helm und rot-goldenen Decken. Pirna besaß vor 1549 ein anderes Wappen, das nur einen einzelnen, rechtsgekehrten Löwen am Baum zeigt. In dem ältesten Siegel vom 8.9.1299 ist sogar nur der Baum zu sehen, desgleichen auf einem Stadtsiegel von 1335. Der Birnbaum ist ein falsch redendes Wappen, vgl. sächsisches Homonym "Pirn"-"Birn", obwohl sich der Stadtname wohl eher nicht von den Birnen ableitet. Frühere Namen von Pirna waren Pern, Perne, Perna, Pernis, Pernaw bzw. Pyrn. Vielmehr läßt sich der Stadtname Pirna aus dem sorbischen "na pernem" ableiten, was soviel wie "auf dem harten Stein" bedeutet. Am 23.8.1549 bekam Pirna sein neues Wappen mit den zwei Löwen durch König Ferdinand I. von Böhmen, dem späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Über die Herkunft der Löwen kann spekuliert werden: Pirna befand sich zeitweise unter böhmischer, markgräflich-meißnischer und thüringischer Oberherrschaft; am wahrscheinlichsten erinnert das Löwenmotiv an die lange Zugehörigkeit zu den Markgrafen von Meißen, denn die thüringische Herrschaft war zu kurz, um wappenrelevant zu sein.

Kanalabdeckung in Sulzbach (Oberpfalz) mit dem Wappen der Stadt Sulzbach-Rosenberg, in Rot sechs (3:2:1) gestellte silberne Lilien. Dieses Motiv ist als Siegelbild seit 1341 für Sulzbach belegt. Nach einem Intermezzo während der Zugehörigkeit zu Neuböhmen (1353-1373) mit einer Stadtsilhouette als Siegel, zwischen zwei Zinnentürmen ein Stadttor mit Fallgitter, über dem gezinntem, spitzgiebeligem Torhaus ein Banner mit dem böhmischen Löwen, kommt gegen Ende des 14. Jh. wieder der Lilienschild in Gebrauch, und der blieb auch 1934 nach Eingemeindung von Rosenberg das gemeinsame Stadtwappen. Diese Lilien tauchen auch im Wappen des Landkreises Amberg-Sulzbach auf, allerdings in reduzierter Anzahl, ferner in dem der nahen Gemeinde Neukirchen.

Kanalabdeckung in Graz (Steiermark). Der Deckel zeigt den silbernen, golden gekrönten und bewehrten steirischen Panther (Pantier, ein Mischwesen mit Pferdekopf, Löwenmähne, Löwenschwanz, gezottelten Hinterbeinen, Löwenklauen etc., also eine Mischung als vielen Tieren) mit aus dem Mund und den Körperöffnungen (Ohren, After, Intimbereich) hervorkommenden roten Flammen in grünem Feld. Im Gegensatz zum Landeswappen der Steiermark wird der Panther (das Pantier) beim Stadtwappen ohne rote Hörner, dafür aber mit einer goldenen Laubkrone dargestellt. Ferner hat das Stadtwappen eine goldene Bewehrung des Panthers, das Landeswappen weist eine rote Bewehrung auf. Und beim Landeswappen schlagen schließlich die Flammen nur aus dem Mund, beim Stadtwappen aus allen Körperöffnungen. Diese Unterschiede mögen nur Nebenteile betreffen und aus historischer Sicht Varianten darstellen, sie dienen nach heutiger Definition aber der Unterscheidung und der Gewährleistung der Wappeneindeutigkeit bei zwei so ähnlichen Motiven. Das Landeswapen setzt zudem auf den oberen Schildrand den steirischen Herzogshut. In beiden Fällen entwickelte sich das Motiv aus dem persönlichen Wappen des steirischen Markgrafen Otakars III. der Steiermark. Als Siegelbild ist der Panther als Stadtwappen der heutigen Landeshauptstadt bereits 1262 nachzuweisen. Es gibt noch ein drittes Wappen, das weder mit dem Wappen der Steiermark noch der Stadt Graz verwechselt werden darf, das der Stadt Steyr: Der Panther stimmt in seiner Darstellung völlig mit dem des Landeswappens überein, so daß der Unterschied nur noch durch den Herzogshut garantiert wird.

Kanalabdeckung aus Naumburg (Saale). Er zeigt das Naumburger Stadtwappen, in Silber schräggekreuzt ein rotes, schräglinks gelegtes, gestürztes Schwert und ein schrägrechts gelegter, roter Schlüssel mit dem Griff nach unten. Das Wappen leitet aus den bischöflichen Siegelsymbolen ab, und als sich die Bürgerstadt Stadt Naumburg etablierte, behielt man das Symbol des Stifts bei, wobei die exakte Anordnung variiert wurde. Im Siebmacher wird das Wappen im Band: St Seite: 44 Tafel: 79 beschrieben, dort mit einem Ritter, der den Schild mit Schlüssel und Schwert hält. Früher gab es eine Anordnung mit beiden Griffen nach oben, wie man noch an einem Wappenstein von 1492 am Naumburger Rathaus sehen kann. 1612 lagen beide Griffe unten, zu sehen am Prunkportal des Rathauses. Dann wanderten beide Griffe auf die heraldisch linke Seite, bis 1993 lag der Schlüssel oben (so kann es am Markbrunnen betrachtet werden), und die nächste Änderung 1994 brachte wieder das Schwert nach oben.

Kanalabdeckung von Leisnig (Sachsen, Landkreis Mittelsachsen). Das Stadtwappen zeigt in schwarzem Feld eine goldene Zinnenmauer mit einem Torturm, dieser mit Zinnenkranz, breitem Dach und zwei Seitenerkern und mit geöffneten Tor, am Turm befindet sich über dem Tor ein goldenes Schildchen mit einem schwarzen Schrägbalken, beiderseits begleitet von je drei schwarzen Rauten. Erstmalig ist dieses Stadtwappen 1371 auf einem Siegel zu sehen. Die historische Darstellung zeigt das Wappen aber aber mit zwei Türmen, je einer rechts und links des Tores und des Schildchens, alles oberhalb einer Zinnenmauer. In seiner heutigen Form geht das Wappen auf eine Neugestaltung zum ersten Heimatfest der Stadt im Jahre 1898 zurück. Der Schild mit Schrägbalken und Schindeln bezieht sich auf die Leisniger Burggrafen, jene führten jedoch einen schwarzen Schräglinksbalken in geschindeltem Feld. Im Siebmacher wird das Wappen im Band: St Seite: 44 Tafel: 79 beschrieben.

Kanalabdeckung der Stadt Torgau (Sachsen, Landkreis Nordsachsen). Diese Schachtabdeckung ist von ganz anderem Typ als die bislang vorgestellten, wobei die Wappendarstellung in der Mitte sehr klein und wenig prominent ist. Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber vier rote Sparren übereinander, Feld 2 und 3: in Blau ein abgewandter (linksgekehrter) silberner, rotgezungter und ebenso bewehrter Löwe. Das Wappen stammt von 1514, und es wurde der Stadt von Kurfürst Friedrich III. dem Weisen verliehen. Er hatte eine besondere Beziehung zu Torgau, denn es war seine Geburtsstadt. Über die Gründe für die Motivwahl kann nur spekuliert werden, die Inhalte sind anscheinend vorbildlos. Das große Torgauer Stadtwappen ist eines der wenigen städtischen Wappen mit Kleinod, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender silberner Löwe zwischen einem blauen Flug.

Abwasserkanalabdeckung der Stadt Hildesheim (Niedersachsen). Das Wappen der Stadt Hildesheim ist geteilt, oben in Silber ein aus der Teilung wachsender schwarzer, golden gekrönter Adler mit schwarzer Zunge und goldenem Schnabel, unten golden-rot geviert. Zu diesem Stadtwappen gehört auch ein Oberwappen, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken eine wachsende Jungfrau in gold-rot geviertem Gewand, in beiden Händen vor sich einen rot-silbern gevierten Rosen-Kranz haltend, auf dem goldenen Haar ein rot-silbern gespaltener Kranz mit einer roten und einer goldenen Straußenfeder (die sog. Hildesia). Das Oberwappen wird hier auf dem Kanaldeckel jedoch nicht dargestellt. Vorbild für das Stadtwappen, das lange Zeit einfach golden-rot geviert war, dürfte das Hochstiftswappen gewesen sein, dieses ist golden-rot gespalten. Eine Teilung mehr, und fertig war das alte Stadtwappen, das seit ca. kurz nach 1300 in Gebrauch war. Zu der entscheidenden Vermehrung um die obere Schildhälfte kam es durch kaiserliches Wappenprivileg, ausgestellt am 3.2.1528 von Kaiser Karl V. in Burgos. Damit drückt sich auch eine politische Aufwertung der aufstrebenden Stadt aus, die ihre Existenz jetzt nicht nur als Projektion des Hochstiftes sieht, sondern den Bezug zum Reich sucht. Hildesheim war jedoch keine Reichsstadt, sondern unterstand landesrechtlich weiterhin der Hoheit des Fürstbischofs, deshalb ist das Reichssymbol gemindert, nur halb und nicht mit goldenem, sondern mit silbernem Untergrund.

Abwasserkanalabdeckung der Stadt Celle (Niedersachsen). Das Wappen der Stadt Celle zeigt in Blau eine silberne Zinnenmauer, oben mit drei rotbedachten Türmen versehen, in der schwarzen Toröffnung ein schräggelehntes goldenes Schildchen, darin ein von sieben roten Herzen umgebener blauer Löwe. Das Schildchen ist das lüneburgische Wappen und erinnert innerhalb der typischen Stadtsymbolik an den Landesherrn, die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Noch deutlicher wird dieser landesherrliche Bezug im großen Stadtwappen, das ein Kleinod hat: Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken zwei auswärts gestellte, mit den Schneiden nach innen gelegte, silberne, rotgegriffte Sicheln, die außen mit Pfauenspiegeln besteckt sind. Eine solche bauplastische Darstellung befindet sich am Alten Rathaus von Celle. Dabei ist das eine spätere Entwicklung, früher hatte das alte Stadtwappen das herzogliche Wappen ganz, also mit Schild und Helm und Helmzier, unter einer Torbogenöffnung (Altencelle, 1288). In einer Darstellung von 1579 am Alten Rathaus ist die Helmzier aus dem Schild nach oben gewandert, und so wird sie von der Stadt nicht nur im Schild zitiert, sondern geführt. Eine weitere Darstellung am Rathaus datiert von 1603, auch diese als Vollwappen ausgestaltet.
Literatur:
Landkreis Meißen: Dr. Arnold
Rabbow: "Wappenklau" verhindert - Landkreis Meißen
wilderte beim "Schwarzen Löwen" (Kleeblatt 2/2009, S.
45ff)
Freiburger Stadtsiegel: Rosemarie
Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg
erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN
3-7930-0676-X.
Wappen Guildford: http://www.civicheraldry.co.uk/weald_downs.html#guildford%20bc
Freiburgs Partnerstädte: http://www.freiburg.de/servlet/PB/menu/1145583_l1/index.html
Wappen von Lemberg: http://en.wikipedia.org/wiki/Coat_of_arms_of_Lviv
Wappen von Sulzbach-Rosenberg: http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/gemeinden/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9371151
Stadtwappen Graz: http://www.graz.at/cms/beitrag/10034476/606082/ und http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/256352/DE/
Stadtwappen Leisnig: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB
Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3.
Auflage, 1985
Siebmacher, Band Städte
Stadtwappen von Hildesheim: http://www.hildesheim.de/pics/download/1_1257244446/dok_026_wappenprivileg_text.pdf
Stadtwappen von Celle: http://www.celle.de/index.phtml?sNavID=342.102&La=1 mit gänzlich unfachmännischer Beschreibung
Die Wappen des Hauses Hohenlohe
Baselstab
Der Fränkische Rechen
Die Entwicklung des Württemberger
Wappens
Wappen der Wittelsbacher (1): Pfalz
Die Wappen der Markgrafen, Kurfürsten und
Großherzöge von Baden
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