
Einführung
in die Heraldik: Kopfbedeckungen als Helmzier

Sehr vielfältig sind bei den
Helmzieren die verschiedenen Kopfbedeckungen. Sie haben viele
Vorteile:
- Sie sind voluminös und
leicht, gut für eine echte Helmzier
- außerdem verbergen sie durch
ihren Stulp die Befestigung mit Drähten , Leisten und
Schrauben auf dem Helm sehr gut, so daß i.d.R. kein
Helmwulst nötig ist
- Es gibt Varianten mit einer
relativ großen Fläche, die man zur Wiederholung der
Schildtingierung oder zur Wiederholung charakteristischer
Elemente verwenden kann (Hilfskleinod): Spitzhut,
Böhmischer Hut, phrygische Mütze, Heidenhut
- sie sind variabel durch
Zutaten wie Hahnenfederbüsche, Straußenfedern,
Bestecken mit Kugeln, Schellen, Rosenblüten etc.
- Kopfbedeckungen ohne Stulp
können wachsend dargestellt werden
- Man kann weitere zusätzliche
Gestaltungselemente in den Stulp flacher Hüte oder von
Turnierhüten stecken: Pfauenstöße, Federstöße,
Fähnchen, Streitkolben, Büffelhörner, einen Flug etc.
Die Grafen von Salm haben in ihrem Stulp sogar zwei
gestürzte Salme stecken! Und die Familie Schliderer
(Schloderer) von Lachen hat in ihrem Stulp zwei
Steinbockhörner, die Familie Füllschüssel von
Ingelheim zwei Eselsohren, dazu einen Hahnenfederbusch in
der Mitte. Die Vielfalt ist unbegrenzt.
Einige Hüte sind von sich aus
hoch genug, um die gewünschten Proportionen einer Helmzier zu
erreichen. Anderen Hüten verhilft man dazu, indem man
Gegenstände in den Stulp steckt oder indem man obendrauf noch
eine Kugel mit Hahnenfedern befestigt o.ä.
Umgekehrt sind Hüte die optimale
Gestaltungshilfe, wenn man lange, schlanke, instabile Elemente
als Helmzier plant. Durch die symmetrische Anordnung im Stulp
löst man alle Probleme auf einmal: Das der ausgewogenen
Proportion, das der Befestigung und das Kaschieren des Übergangs
in die Helmdecke.
Galerie: Die Galerie zeigt einzelne Typen in
fiktiver Kombination und Tingierung.






Beispiele:
- Zwei schwarze Streitkolben im
schwarzen Stulp eines goldenen Turnierhutes,
aber Topfhelm, Helmdecke gold-schwarz: Kolb von Boppard,
Peter Kolb Schöffe zu Boppard 1398.
- Roter Turnierhut
mit silbernem Stulp, mit zwei Pfauenstößen im Stulp,
Helmdecke rot-silber: Familie Bulich, Wilhelm von Bulich
1535.
- Goldener Hut
mit rotem Stulp, mit zwei Pfauenstößen darin,
Helmdecken rot-gold: Edle Herren von Manderscheid,
Wilhelm Herr zu Manderscheid.
Die beiden Pfauenstöße im Hermelinstulp eines roten Hutes
zu rot-silbernen Helmdecken, aber mit Topfhelm: Cone Herr
zu Pyrmont.
- Philipp Haust von Ulmen
(1502) trägt einen schwarzen Turnierhut,
in dessen roten Stulp die beiden Pfauenstöße stecken,
dazu eine schwarz-goldene Helmdecke, zum Kübelhelm.
- Die Familie Mühl von Ulmen
trägt einen schwarzen Turnierhut, in
dessen schwarz-rot gerauteten Stulp die beiden
Pfauenstöße stecken, dazu eine schwarz-goldene
Helmdecke, aber zum Bügelhelm.
- Familie von Lieser, Johann
von Lieser 1421: Roter Turnierhut mit
silbernem Stulp, darin beiderseits 3 Pfauenfedern
steckend, Helmdecke rot-silbern, Topfhelm.
- Roter Hut
mit goldenem Stulp, darauf eine hahnenfederbesteckte
silberne Kugel, Helmdecke rot-golden, aber mit Topfhelm:
Familie Schetzel von Lorch, Heinrich Schetzel von Lorch
1349.
- Schwarzer Hut
mit silbernem Stulp, mit silberner Kugel und
Hahnenfederbusch besetzt, Helmdecke schwarz-silber, aber
mit Gitterhelm: Familie Hilchen von Lorch, Philipp
Hilchen von Lorch 1444.
- Die Familie von Schönburg
"vor dem Saane" (Philipp von Schönburg 1499)
führt einen mit einem silbernen Kreuz belegten schwarzen
Turnierhut, oben mit einer
hahnenfederbesteckten silbernen Kugel besetzt, Helmdecken
schwarz-silbern, zum Topfhelm.
- Familie Brandenburg,
Friedrich von Brandenburg, Burgmann zu Stolzenfels 1440,
hatte einen roten Turnierhut mit
silbernem Stulp, mit einer silbernen Kugel, die mit einem
Hahnenfederbusch besteckt ist. Helmdecke rot-silber.
Topfhelm.
- Familie von Heddesheim,
Winter von Heddesheim, hatte einen schwarzen Turnierhut
mit silbernem Stulp, mit einer silbernen Kugel, die mit
einem Hahnenfederbusch besteckt ist. Helmdecke rot-gold.
Topfhelm.
- Einen flachen schwarzen Hut
mit breiter Krempe, durch dessen Krempe zwei
Pfauenstöße gesteckt sind, hat die Familie von der
Mühl von der Neuerburg, Heinrich Mul von der Neuerburg
1362. Helmdecken schwarz-silbern, zum Topfhelm.
- Familie von Lesnich, von
Lösnich, Conrad von Lesnich Ritter 1350: Ein niedriger
roter Hut, dessen breite Krempe beiderseits mit
einem Pfauenstoß besteckt ist. Helmdecke rot-silbern.
Topfhelm.
- Schwarzer Hut,
in dessen roten Stulp zwei rot-silbern geteilte Fähnchen
stecken, zu rot-silberner Helmdecke, Topfhelm: Familie
von Merxheim gt. Rüdesheim, Rorich von Merxheim 1437.
- Familie Faust von Stromberg:
Ein roter Turnierhut, in dessen
Hermelinstulp zwei gold-rot geteilte Fähnchen stecken
und der oben mit einem schwarzen Stern besetzt ist, dazu
Topfhelm.
- Familie von Hohenstein,
Richwin von Hohenstein 1344, hatte eine rote Spitzmütze
mit silbernem Stulp, oben mit einer hahnenfederbesteckten
schwarzen Kugel besteckt. Helmdecken rot-silbern,
Kübelhelm.
- Familie Breder von
Hohenstein, Philipp Breder von Hohenstein 1471, hatte
eine rote Spitzmütze mit silbernem
Stulp, oben mit einer hahnenfederbesteckten goldenen
Kugel besteckt. Helmdecken rot-silbern, Kübelhelm.

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