Bernhard
Peter
Der
Schild und seine Formen
Vorabbemerkung:
Genus
Anläßlich immer wieder
aufkommender Mißverständnisse sei vorab der Unterschied
erläutert: Wenn wir vom Schild sprechen, welchen ein Krieger, ob
zu Fuß oder zu Pferd, mit sich führt zu seinem eigenen Schutz,
ist es "der Schild", männlich. Wenn wir von einer
beschrifteten Tafel oder Unterlage sprechen, deren Funktion
Träger eines Hinweises ist, einem Straßenschild oder
Hinweisschild etwa, ist es "das Schild". So auch das
Preisschild, das Halteverbotsschild. In der Heraldik ist
"Schild" ausschließlich männlich, "der
Schild", denn es ist immer die Schutzwaffe gemeint: Der
Schild, der Schutzschild, der Rundschild, der Halbrundschild, der
Dreieckschild, der Reiterschild. Auch der Damenschild ist
maskulin, der für sie vorgesehene Rautenschild ebenso. Nur die
Tartsche und die Pavese dürfen feminin sein, aber da steckt der
Begriff "Schild" ja auch nicht drin. Ebenso der Plural:
Korrekt ist "die Schilde", die Wappenschilde",
falsch ist "die Schilder", die Wappenschilder". Es
handelt sich hier nicht um eine Beschilderung, sondern um eine
Form, die ihre Wurzeln in einer mittelalterlichen Schutz- und
Abwehrwaffe hat.
Museale
Kostbarkeiten: mittelalterliche Originalschilde
Bei der Diskussion von
Wappenschilden, ihren Formen und ihren Macharten sind natürlich
erhaltene Originalschilde aus mittelalterlicher Zeit eine
wichtige Quelle. Nur ist man - so sehr man auch historische
Wappen mit Mittelalter und Rittertum assoziiert - sehr erstaunt,
wie wenige wirklich originale und authentische Reiterschilde die
Zeiten überdauert haben, insbesondere aus dem 13. und 14. Jh.
Eine der bedeutendsten Sammlungen von mittelalterlichen
Originalschilden wird im Universitätsmuseum Marburg aufbewahrt,
in der im Wilhelmsbau des Marburger Schlosses gezeigten
Schausammlung, was dieses Museum zu einem Muß für den
heraldisch interessierten Besucher macht. Insbesondere finden
sich darunter einige besonders prunkvoll gestaltete Schilde mit
plastisch gestalteten Oberflächen, die auf Leder und mit
Klebmittel gebundener Kreide-Masse erzeugt wurden und in ihrer
Art einzig sind und aufgrund ihrer kostbaren Arbeit alles andere
als der Normalfall gewesen sein dürften. Im einzelnen werden
dort gezeigt:
Insbesondere die Prunkschilde mit plastisch gearbeiteten, hinterfütterten Schildbildern sind einzigartige heraldische Museumsstücke, vor allem der landgräfliche Prunkschild von Heinrich I. Das Marburger Universitätsmuseum besitzt zwar die größte und bedeutendste Sammlung von Originalschilden, jedoch haben sich auch an anderen Orten solche erhalten, z. B. in der Schweiz:
Originale mittelalterliche Wappenschilde in Großbritannien:
Beispiel aus Österreich:
Beispiel aus Frankreich:
Eine hervorragende wissenschaftliche Dokumentation aller erhaltenen Reiterschilde findet sich bei Jan Kohlmorgen, der mittelalterliche Reiterschild, historische Entwicklung von 975 bis 1350, Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schildes, Karfunkel Verlag 2002. Die weitaus größere Zahl historischer Anschauungsobjekte ist als in Stein gehauene Plastik auf uns gekommen, als Darstellungen auf Grabmälern, an Stifterfiguren (Naumburg!) oder Reliefs.
Darstellung
von Schilden: Welche Schilde sind heraldisch?
So wie ein
"Wappenbild" nicht identisch ist mit einem
"Bild" an sich, sondern Regeln und Konventionen
unterliegt, die es erst zu einem "Wappenbild" machen,
so ist auch ein "Wappenschild" nicht identisch mit
einem "Schild", sondern unterliegt ebenfalls einer
gewissen Selektion aus der Fülle aller Schilde, die je in
Gebrauch waren, und gewissen darstellerischen Konventionen. So
sind alle Schildformen, die vor Entstehung der Wappen in Gebrauch
waren wie Wikingerschilde (Rundschilde), Römerschilde
(gewölbter Rechteckschild oder Turmschild, Scutum, oder der
ovale oder runde Parma) oder griechische Schilde (Hoplon, Aspis)
als unheraldisch anzusehen. Auch der V-Schild, Langspitzschild
oder sog. Normannenschild, wie er uns auf dem Teppich von Bayeux
begegnet, ist vor der heraldischen Zeit. Die Kunst der Heraldik
wurzelt im abendländischen Mittelalter, und nur die in der Zeit
vom 11.-16. Jh. verwendeten Schildformen sind als Vorbilder
anzusehen. Aber auch hier sind nicht alle Schilde heraldische
Schilde, so war zwar im Mittelalter der schon aus der Antike
bekannte Setzschild namens Pavese durchaus als mobile Deckung
insbesondere bei Belagerungen in Gebrauch, aber eben kein
heraldischer Schild. Ebenso sind alle Schildformen, die nach der
Blütezeit der Heraldik und nach der Zeit der Turniere als
gesellschaftlichem Hintergrund der heraldischen Entwicklung
entstanden sind, ebenso als unheraldisch anzusehen (als
Extrembeispiel sei hier mal ein moderner Polizeischild genannt,
ein sog. taktischer Einsatzschild). Insbesondere in der
Verfallszeit wurde mit großer Ignoranz gegen diese stilistische
und historische Limitierung verstoßen, so daß sich genügend
Beispiele unheraldischer Schildformen aus den letzten
Jahrhunderten anführen ließen, doch sollten diese Produkte
zunehmender Unkenntnis und wachsenden Unverständnisses des
geschichtlichen Hintergrundes der Heraldik keineswegs dazu
verleiten, diese Fehler nachzuahmen. Die Blütezeit der Heraldik
sei uns heute Vorbild für gute Gestaltung, und die in dieser
Zeit verwendeten Schildformen sind ein verläßlicher und
sicherer Formenkanon. Aus der Auswertung der uns überlieferten
zeichnerischen, malerischen oder bildhauerischen Darstellungen
aus dieser Zeit hat sich das herauskristallisiert, was wir heute
als Richtschnur der Darstellung ansehen.
Darstellung
und Stil von Schilden
Heraldische Schilde für den
deutschsprachigen Raum sind Dreieckschild, Halbrundschild und
Tartsche. Die Liste ist vollständig. Eine Darstellung eines
Wappens mit jeder der genannten Schildformen ist zulässig. Aber
natürlich sollten Schild und übriges Wappen stilistisch
zusammenpassen, also aus einer zeitlichen Epoche stammen. Alle
Elemente in einem Wappen müssen vom Stil her schlüssig sein.
Entweder muß sich die Schildform nach dem gewählten
Oberwappen-Stil richten, oder aber Stil von Helm und Helmdecke
müssen sich nach der gewählten Schildform richten. Denn auch
wenn wir nur wenige der insgesamt je existenten Schildformen als
heraldisch akzeptieren, so hat doch innerhalb dieses Zeitfensters
eine unübersehbare Entwicklung der Schutzwappen stattgefunden.
Die Schildform muß daher zu Helm und Helmdecke passen. So kann
man nicht einen gotischen Topfhelm auf eine Renaissance-Tartsche
setzen und erst recht nicht einen Wikingerhelm (unheraldisch) auf
eine barocke Kartusche. Sondern man wählt einen Stil und damit
eine Zeit, und alle Elemente richten sich danach, um eine
harmonische Gesamtwirkung zu erzielen.

Die Schildstärke (Dicke des Holzbrettes) kann durch einen Schatten angedeutet werden. Richtig: auf dem Papier rechts, d. h. heraldisch links.
Aus dem mandelförmigen sog. "Normannenschild (eigentlich ein V-Schild oder Langspitzschild) entwickelten sich durch Verkürzung und Begradigung des oberen Abschlusses die Dreieckschilde. Sie werden im Laufe der Zeit immer kürzer und breiter, immer weniger spitz. Im 13. Jh. entwickelte sich der Halbrundschild. Im späten 14. Jh. starben die Dreieckschilde als Kampfschilde aus. Beide Formen sind als rein heraldische Schildformen übriggeblieben. Insbesondere der Halbrundschild ist wegen der günstigen Platzverhältnisse sehr beliebt.
Daraus entwickelten sich über die slawischen Reitertartschen die Turniertartschen mit Aussparung zum Lanzeeinlegen. Sie wurden seit dem 14. Jh. als Turnierschilde im Tjost eingesetzt. Einige Beispiele eignen sich als heraldische Schilde. Die Tartschen mit einer Ausbuchtung sind die letzte Form, die auch noch tatsächlich als Kampfschild eingesetzt wurde. Später wurde die Aussparung doppelt angelegt, um wieder symmetrische Schilde zu erhalten. Daß diese Schilde als Kampfschild nicht mehr taugten, liegt auf der Hand, denn beim Tjosten hatte man ja nur eine einzige Lanze.

Bei der Darstellung sollte man auch an einen guten Stil denken: Symmetrische Motive passen besonders gut zu einem symmetrischen Schild, während eine asymmetrische Tartsche einem asymmetrischen Motiv einen gewissen Pepp geben kann. Alle Bestandteile sollen sich gegenseitig optimal ergänzen und einen harmonischen Gesamteindruck erzeugen.
Renaissanceschilde werden symmetrisch und zeigen eingerollte Ränder. Der Schild zeigt an den Seiten Einschnitte und Ornamente. Damit ist endgültig der Schritt zur Papierheraldik vollzogen. Papierheraldik nennt man die Darstellungen deshalb, weil die Darstellungen nichts mehr mit realen Kampfschilden zu tun haben, sondern diese Schildformen nur auf Urkunden, Papieren, ebenen Flächen wie Wänden, Deckenbalken, Möbeln, Geschirr, Grabplatten oder Totenscheiben etc. dargestellt wurden und eine dreidimensionale Verwirklichung nur noch in Stein oder Stuck vorkam.
Eine späte, dekadente Form der Tartsche ist die rein heraldisch verwendete Kartusche aus der späten Barockzeit.
Historische
Darstellungen spätgotischer Schilde des ausgehenden 15. Jh.:
Obige Formen sind natürlich
idealisiert und optimiert. Doch zurück zu den Quellen: Wie wurden in der Spätgotik Schilde
tatsächlich dargestellt? Die folgenden 3 Zeichnungen sind
Umzeichnungen von Wappenschilden einer Ahnenprobe an einem
Epitaph des Wilhelm von Schwalbach (gest. 1483) und seiner Frau
Anna von Leyen (gest. 1483) in der Karmeliterkirche unserer
lieben Frau zu Boppard. Der Umriß bleibt noch geschlossen, es
sind noch keine Aussparungen vorhanden für die Lanzen wie bei
späteren Tartschen, aber der Schildrand gerät schon leicht in
Bewegung und verläßt die reine Idealform.



Der Schildumriß steht im Zeichen der Spitzen - so wird unten die Schildspitze bei zugleich bauchig geformtem Schildboden betont, und die beiden oberen Ecken des Schildes werden seitlich ausgezogen, und auch die obere Kante des Schildes wird ein bißchen spitz betont; es kommt des weiteren zu ersten Asymmetrien.
Historische
Darstellungen von Tartschen (1):
Hervorragendes
Anschauungsmaterial sind naturalistisch dargestellte Tartschen,
die originalgetreu nachgebildeten Standfiguren in die Hand
gegeben wurden. Eine solche Tartsche finden wir am Grabmal des
Ritters von Bach in der Coburger Stadtkirche St. Moriz. Es ist
eines der besten gotischen Rittergrabmäler Frankens mit der
eleganten, fast freistehenden Figur, die eine Kombination aus
Kettenhemd, Plattenharnisch, Arm- und Beinschienen zu Gugel und
Wulsthaube trägt, in der Rechten den Schild haltend. Es ist eine
wundervolle Tartsche, die die besonderen Merkmale dieser
Schildform illustriert: Es war ein Schild, der den Erfordernissen
des Lanzenstechens auf Turnieren angepaßt war. Auf der vorderen
Seite hatte der Schild eine länglich-ovale Aussparung zum
Einlegen der Lanze. Die Lanze konnte so besser geführt werden
und der Stoß konnte präziser und sicherer geführt werden. Eine
ähnliche Funktion zur Stabilisierung hatten die später
üblichen Rüsthaken am Harnisch. Weiterhin wird die innovative
Wölbung der Tartsche deutlich: Waren bisher die Dreieckschilde
und Halbrundschilde eher flach oder allenfalls leicht um eine
vertikale Achse konvex gewölbt, so tritt hier deutlich eine
konkave Wölbung um eine horizontale Achse zutage. Diese Form
verhinderte das Abrutschen der gegnerischen Lanze nach oben in
Richtung der gefährdeten Halspartie sowie nach unten in die
Hüftregion, während das Abrutschen zur Seite durch die vertikal
verlaufende Profilierung erschwert wurde. Hier wird der Schild
zwar in der Rechten gehalten, die Aussparung für die Lanze ist
aber so angebracht, daß er nur sinnvoll im Einsatz mit der
linken Hand gehalten werden kann.

Verwendung der Aufnahmen aus der Stadtkirche St. Moriz zu Coburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Markus Merz vom 30.6.2008, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Historische
Darstellungen von Tartschen, 1. Hälfte des 16. Jh.:
Hier lassen wir wieder
Originale zu uns sprechen, denn nichts ist wichtiger als die
historische Evidenz. Die folgenden 9 Zeichnungen sind
Umzeichnungen von Wappenschilden einer Ahnenprobe an einem Epitaph des Johann von Schönenburg, Herr
von Hartelstein und Ulm(en) (gest. 1540) in der Stiftskirche zu
Kyllburg, zu datieren auf 1540 in die frühe Renaissance. Im
Vergleich zur oben abgebildeten gotischen Tartsche sind sie
kürzer und weniger rechteckig. Geblieben sind die typische
Aussparung, die Asymmetrie, die konkave Wölbung. Verschiedene
Arten asymmetrischer Tartschen werden gezeigt, mit kreisrunden,
oval-länglichen und sogar doppelten Aussparungen. Die Schildformen sind mit Hingabe
asymetrisch.


Wir finden, daß in dieser Zeit der ganze Schildrand in Bewegung gerät. Der obere Rand verläßt die Gerade, wird in der Mitte leicht erhöht, wobei die beiden Seiten gerade oder gebogen auf die erhöhte Mitte zulaufen können, die Mitte kann auch durch eine markante Kerbe betont werden. Der untere Rand kann rund sein, zugespitzt wie ein umgekehrter Eselsrückenbogen oder auch in Form von 3 oder 4 bogigen Segmenten gesteltet sein.



Auf der der Lanzenaussparung abgewandten Seite wird ebenfalls die gerade Linie aufgegeben, und der Rand wird leicht konkav eingebogen als Pendant zur Aussparung an der heraldisch rechten Seite.



Historische
Darstellungen von Schilden aus der 2. Hälfte des 16. Jh.:
Hier ist ein Beispiel aus dem
Jahr 1555 abgebildet, nach der Darstellungen am Kellerhals der
Ronneburg (Hessen) gezeichnet. Die seitlichen Ausbuchtungen
lassen die Herkunft von der asymmetrischen Tartsche erkennen,
jedoch sind sie hier so geformt, daß das ornamentale Spiel mit
konvexen und konkaven Abschnitten wichtiger wird als die
Funktion, dazu wird die einst einseitige Ausbuchtung symmetrisch
verdoppelt.

Historische
Darstellungen von Schilden aus der 2. Hälfte des 16. Jh. mit
Rollwerk:
Hier sind zwei Beispiele aus
dem Jahr 1570 abgebildet, nach den Darstellungen am Erker des
Zinzendorfbaus der Ronneburg (Hessen) gezeichnet. Der Schildrand
wird immer mehr zum Ornament, der Schild immer mehr zur
Kartusche, der Rand wird zu dreieckigen Zipfeln ausgezogen,
funktional unbegründete Einschnitte lösen die geschlossene Form
der äußeren Begrenzung auf, und die Ecken werden nach vorne
oder nach hinten eingerollt. Mit einem tatsächlich verwendbaren
Kampfschild hat das nichts mehr zu tun.

Darstellung
von Schilden im Ausland
Ungeeignet sind nicht
stilreine Wappenschilde, so z. B. eine an beiden Seiten mit
Speerruhen versehene Tartsche. Denn ein Wappen ist umso
authentischer in seiner Darstellung, je näher es an den
tatsächlichen Vorlagen, sprich Schutzwaffen ist. Achtung: Im
Ausland sieht man das oft nicht so eng. In späterer Zeit wurden
besonders in England und Frankreich Sonderformen der Schilde
entwickelt, die rein heraldisch sind und niemals in dieser Form
als Kampfschild verwendet wurden. Solche Formen wie unten gezeigt
werden in anderen europäischen Ländern als heraldische Schilde
akzeptiert.

Eingebuchtete Oberkanten, "Ohren" des Schildes, umgekehrt kielbogenartige Abschlüsse - alles modische Entwicklungen aus späterer Zeit. Mit den klaren Formen der Gotik hat das nichts mehr zu tun. Bei der Darstellung von Wappen sollte auf stilistische Einheit geachtet werden: Diese Sonderformen sollten nie mit den einfachen gotischen Helmdecken oder Topfhelmen kombiniert werden. Typisch englische Schildformen wie ein oben zweifach gebuchteter Dreieck-Schild sind in der deutschen Heraldik zu vermeiden. Solche gebuchteten Oberkanten tauchen in der deutschen Tradition nur bei tartschenartigen Formen auf.

Eine weitere Sonderform der heraldischen Schilde sind die Roßstirnschilde. Sie sind insbesondere in der italienischen Heraldik beliebt, haben aber in Darstellungen deutscher Wappen wenig zu suchen.
Der
Schildrand
Der Schildrand ist der
senkrecht zur Schildfläche stehende Rand, der Stärke des
Schildkörpers entsprechend. Es ist nicht ein das Feld
einrahmenes Gestaltungselement, ein solches nennt man Bord,
sofern es von heraldisch relevantem Inhalt (Form, Farbe) ist. Der
Schildrand als solcher kann im einfachsten Fall einfach schwarz
gemalt werden, so wie es hier auch durchgehend gemacht wird. Da
man frontal auf den Schild blickt, ist der tatsächlich zu
sehende Rand aufgrund der Perspektive sowie so eher dünn und
schmal, was einen solchen Umgang mit dem Rand rechtfertigt. Er
kann aber auch anders gestaltet werden, indem man davon ausgeht,
daß der Schildbesitzer seinen Schild nicht nur vorne auf der
Fläche angestrichen hat, sondern auch die Seitenkanten bemalt
hat. Solche Beispiele finden sich zu hauf in Conrad Grünenbergs
Wappenbuch: Bei dessen Darstellungen läuft das Schildmotiv
einfach auf dem Rand weiter, so als wäre das flächige Motiv
einfach um 90° umgeknickt. Balken, Kreuze, Teilungen - die
Farbgrenzen ziehen sich abknickend auf dem Rand fort, je nach
Lichteinfall farblich abgetönt, um die Körperlichkeit des
Schildes herauszuarbeiten. So werden in besagter Quelle auch
Herzschilde dargestellt. Welche Methode man wählt, hängt
sicherlich vom Gesamteindruck ab. Klarere Ergebnisse erzielt man
sicherlich mit dem schwarzen Rand, geeignet für
kleinmaßstäbliche Zwecke, andere Lösungen finden jedoch
genauso ein historisches Vorbild, geeignet z. B. für
Schmuckvarianten.
Geschichte der
Verteidigungswaffen: Pavese
Diese Schilde kamen im 13. Jh. auf,
zuerst in Italien, daher auch der sich von Pavia ableitende Name.
Pavesen sind halbhohe, hochovale oder rechteckige Setzschilde der
mittelalterlichen Fußtruppen, sie dienten der Deckung von
Armbrust- und Bogenschützen. Sie bestehen aus einem mit bemaltem
Leder, Leinwand oder Rohhaut bemalten Holzkörper. Reiter
verwendeten diese Schilde nicht, weil sie viel zu unhandlich
waren. Es gab die sog. Kleine und Große Pavese für das
Fußvolk. Eng aneinandergereiht gaben diese Schilde vor allem
beim Sturm gegen Befestigungsmauern und Wälle einen sicheren
Schutz, vor allem gegen Bogenschützen auf denselben. Die
größeren Exemplare (bis zu 2 m hoch) wurden in den Boden
gerammt (daher der Name "Setzschild"), wodurch der
dahinter befindliche Mann beide Hände frei bekam zum Spannen von
Armbrust oder Bogen. Eine neue Form entwickelte sich im 15. Jh.
in Böhmen. Über die Hussitenkriege wurde die neue Mode, die
sich vor allem durch den vertikalen Mittelgrat auszeichnete, der
wie ein Rücken vertikal über den ganzen Schild lief, in
Deutschland bekannt. Solche Formen wurden noch 1504 in der
Schlacht bei Regensburg gegen die Truppen Maximilians eingesetzt,
wie zeitgenössische Gemälde zeigen. Da es sich um Fußvolk
handelte und nicht um Ritterliche, suchen wir individuelle Wappen
vergebens auf Pavesen. Typisch ist dagegen bunte Bemalung mit
Ornamenten oder Bildern, wenn heraldische Bemalung erfolgt,
können Landeszeichen oder Städtezeichen angebracht werden wie
z. B. das weiße Kreuz französischer Truppen, das rote St.
Georgs-Kreuz der Engländer, das St. Andreas-Kreuz der Burgunder
oder der Doppeladler der Landsknechte Maximilians I. Oder es
können kleinere Wappenschilde aufgemalt werden, die das
Stadtwappen oder Landeswappen zeigen, wobei der Umriß des
Schildes nicht dem Umriß der Pavese entspricht. Einige schöne
Pavesen befinden sich beispielsweise im Museum auf der Veste
Coburg. In der Heraldik verwendete Schilde sind traditionell
Reiterschilde, nicht Fußtruppenschilde. Insofern können Pavesen
zwar mit Wappen des Lehnsherrn bzw. der zugehörigen Stadt bemalt
sein, aber sie zählen nicht zu den akzeptierten Schildformen in
einer Wappendarstellung. In einem Wappenaufriß haben sie also
nichts zu suchen.
Literatur:
Originalschilde: Jan
Kohlmorgen, der mittelalterliche Reiterschild, historische
Entwicklung von 975 bis 1350, Anleitung zum Bau eines
kampftauglichen Schildes, Karfunkel Verlag 2002, ISBN
3-935616-10-4
Wappenfibel, Handbuch der
Heraldik, hrsg. "Herold", Verein für Heraldik,
Genealogie und verwandte Wissenschaften, Verlag Degener, Neustadt
1981
Marburg: http://www.uni-marburg.de/aktuelles/unijournal/april2004/Universitaetsmuseum
Neigung und Wenden
von Schilden
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