Bernhard Peter
Wappen bei morganatischen Ehen (4)

Das Haus Wittelsbach und die Grafen von Wartenberg
Eine weitere morganatische Seitenlinie der Wittelsbacher geht auf Herzog Ferdinand von Bayern (1550-30.1.1608), Sohn von Herzog Albrecht V. dem Großmütigen (29.2.1528-24.10.1579) und Bruder des regierenden Herzogs Wilhelm V. von Bayern, zurück, der am 26.9.1588 in München die erst 15jährige Maria Pettenbeck (1573/1574-4.12.1614/5.12.1619) morganatisch geheiratet hatte, die im Schloß Haag in Oberbayern geborene Tochter des Pflegers, Kastners und Landrichters Georg Pettenbeck, der mit der Verwaltung und Verteidigung der Burg Haag und der gesamten Grafschaft Haag betraut war. Ihre Mutter war Felicitas Simon. Herzog Ferdinand hatte sie im Alter von 13 Jahren kennengelernt. Der Heirat gingen enge Absprachen und ein alles regelnder Vertrag mit dem Bruder, dem regierenden Herzog, voraus. Mit 16 Jahren, selber noch ein Kind, wurde Maria das erste Mal Mutter. Dieser Ehe entsprossen insgesamt 16 Kinder in 19 Ehejahren, die aufgrund der nichtstandesgemäßen Verbindung nicht dem regierenden Haus angehörten. Ferdinand erhob seine Kinder mit Genehmigung des regierenden Herzogs, seines Bruders, und des Kaisers 1602 zu Grafen bzw. Gräfinnen von Wartenberg. Dieser Ort besitzt eine gewisse Tradition bei den Wittelsbachern, weil sich der erste Herzog der Wittelsbacher, Herzog Otto I., auf Urkunden "Graf von Wartenberg" genannt hatte und im 12. Jh. auf der Burg Wartenberg bei Erding ansässig war. Andersherum ausgedrückt: Burg Wartenberg war der Sitz der Wittelsbacher, als sie 1180 mit der bayerischen Herzogswürde belehnt wurden. Nun bekam Herzog Ferdinand neben der Grafschaft Haag (weil seine Frau dort aufgewachsen war) das unweit der ehemaligen Burg erbaute Jagdschloß Wartenberg als Hochzeitsgut geschenkt, das sogenannte Wittelsbacher Jagdschloß am Fuße des Nikolaiberges.

Die genauen Bestimmungen des am 23.9.1588 zwischen Herzog Wilhelm V. und Ferdinand geschlossenen Vertrages sind interessant:

Als dieser Vertrag geschlossen wurde, war noch kein Wappen festgelegt, und von einer Erhebung in den Grafenstand sprach noch niemand. Doch es war die dynastische Sorge, die die Ereignisse vorantrieb: Als die Ehe von Wilhelms Sohn Maximilian I. mit Elisabeth Renata von Lothringen kinderlos blieb, glaubte der spätere Kaiser Ferdinand II., daß der Stamm der bayerischen Wittelsbacher schon mit Maximilian erlöschen könnte, und so erhob er vorbeugend am 25.4.1602 die Söhne Ferdinands in den Grafenstand, unter Protest der Kurpfalz. Ferdinands Gemahlin wurde die Titulatur "von Gottes Gnaden Herzogin in Ober- und Niederbayern, Pfalzgräfin bei Rhein" analog zum Titel ihres Mannes bewilligt. Die Familie, nach dem Stammvater auch ferdinandinische Linie der Wittelsbacher genannt, nahm in einem Stadtpalais am Rindermarkt in München Quartier. Ferdinand verstarb aber recht früh im Alter von 58 Jahren, als zehn seiner Kinder noch unmündig waren. Außerdem hinterließ er seiner Frau Schulden. Selbst das Stadtpalais war seinen Gläubigern verpfändet, von denen es Wilhelms Sohn Maximilian wieder einlöste und seinen Vettern übergab. Die finanzielle Situation führte dazu, daß ein Großteil der Kinder in den geistlichen Stand trat oder treten mußte. Vier der fünf überlebenden Töchter wurden Nonnen. Von den überlebenden Söhnen schlugen drei eine geistliche Laufbahn ein, wovon einer wieder weltlich wurde. Die Epitaphien von Marie Pettenbeck und Herzog Ferdinand von Bayern sind in der Heilig-Geist-Kirche am Münchner Viktualienmarkt in die Wand eingelassen. Die Familie besaß 1602-1736 das Schloß und die Herrschaft Wald an der Alz, das zuerst den Herren von Wald und dann seit 1508 den della Scala gehört hatte. Die Familie der Grafen von Wartenberg endete in männlicher Linie am 3.8.1736 auf unrühmliche, tragische Weise: Maximilian Emanuel Graf von Wartenberg (22.2.1718-3.8.1736), letzter im Mannesstamm der Familie, starb in der Ettaler Ritterakademie durch einen Kirschkern: Bei Schießübungen war dem Neunzehnjährigen ein solcher Kirschkern ins Auge geschossen worden, worauf er an den Folgen starb. Das ist insofern von Bedeutung, weil sich 1777 sonst die Sukzessionsfrage gestellt hätte, und die Grafen von Wartenberg aufgrund oben dargelegter Bestimmungen einen Anspruch auf die bayerische Thronfolge gehabt hätten. Statt dessen übernahm der pfälzische Familienzweig. Am 24.1.1737 wurde der Fideikommiß an die Familie von Haslang vererbt, in die die Schwester des letzten Grafen eingeheiratet hatte. Die Herrschaft Wald jedoch fiel wieder an den Staat und wurde an verschiedene Adelige, darunter auch die Fugger, verlehnt.

Der Name Wartenberg ist häufig; und diese Grafen von Wartenberg dürfen nicht verwechselt werden mit etlichen anderen Adelsgeschlechtern des Namens, und sie haben auch nichts zu tun mit der Grafschaft Wartenberg:

Über das genaue Aussehen des Wappens der Grafen von Wartenberg gibt es unterschiedliche Beschreibungen: Im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 191 Tafel: 193 wird das Wappen wie folgt beschrieben: Von Blau und Silber gerautet mit einem goldenen Löwen, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbern-goldenen Decken ein goldener, rotgekrönter Löwe sitzend zwischen einem silbernen Flug, der jeweils neunmal blau-silbern schräggeteilt ist, rechts schräglinks und links schrägrechts. Die Abbildung zeigt einen balkenweise rechts gerauteten Schild mit einem ungekrönten Löwen, und die Flügel der Helmzier sind jeweils nur siebenmal schräggeteilt. Das Wappen wird auch im Rietstap beschrieben, wobei aber senkrechte Rauten beschrieben und im Rolland abgebildet werden, frz.: "fuselé d'argent et d'azur au lion d'or couronné du même brochant sur le tout. Casque couronné. Cimier le lion assis de front entre un vol fuselé d'argent et d'azur. Lambrequin à dextre d'argent et de sable à senestre d'argent et d'azur." Der Löwe wird also hier auch im Schild als gekrönt genannt. Während die Rautenrichtung im Siebmacher noch von der historischen Variationsbreite des bayerischen Wappens gedeckt ist, ist eine vertikale Ausrichtung im Rietstap wenig plausibel. Bei Bleisteiner wird die heutige, schrägrechte Lage und Ausrichtung der Rauten zugrunde gelegt, der Löwe im Schild ist ungekrönt, und jeder Flügel der Helmzier ist achtmal schräggeteilt.

In einer aus dem Jahr 1860 stammenden Quelle (Friedrich Anton Wilhelm Schreiber) zum Leben des bayerischen Herzogs Wilhelm V. des Frommen nach Quellen und Urkunden, die es eigentlich am genauesten wissen sollte, wird das Wappen wie folgt beschrieben: "Das Wappen besteht in einem von Silber und Blau geweckten Schilde, worin der pfalzische, goldene, rothgekrönte, gehende Löwe zu sehen ist. Der gekrönte Helm zeigt einen zweifachen, geweckten und von außen mit kleinen Blättern gezierten Flug, zwischen welchem der pfälzische gekrönte Löwe sitzt." Von schräger Richtung der Rauten also keine Rede, und ein "gehender" Pfälzer Löwe ist wenig plausibel. Angesichts dieser Variationsbreite wurde für die obige Abbildung die Kombination aus Wittelsbacher Rauten und pfälzischem Löwen exakt umgesetzt, so wie es in einem Kupferstich für Graf Franz Wilhelm von Wartenberg (Franciscvs Gvillelmvs Comes a VVartenberg) zu sehen ist, weil dieser Stich die authentischste Quelle darstellen dürfte, wobei die Schraffur für Blau dort fälschlicherweise schräg angelegt ist, offensichtlich ein Irrtum aus einer Zeit, in der die Schraffurkonvention noch nicht verbindlich benutzt wurde, denn das Blau steht in allen Quellen außer Diskussion. Der Löwe im Schild ist jedenfalls aufrecht und gekrönt; die Richtung der Rauten ist schrägrechts.

Aus dieser Familie gab es mit Franz Wilhelm Reichsgraf von Wartenberg (1.3.1593-1.12.1661) einen der bedeutendsten Kirchenfürsten seiner Zeit und einer der herausragendsten Vertreter der deutschen Gegenreformation, dessen Wappen hier auch erwähnt werden sollen. Er war 1604 Propst zu Altötting, 1614-1640 Propst zu München, 1617 Domherr zu Regensburg, 1619 Domherr zu Minden, Verden, Köln und Freising, 1619 Dompropst zu Regensburg, 1621 Präsident des Geheimen Rates und Obristhofmeister des Kölner Kurfürsten, 27.10.1625/27.1.1627/8.12.1636-1661 Fürstbischof von Osnabrück, 1629/1633-24.10.1648 Bischof von Minden, 1630-24.10.1648 Bischof von Verden, 1633 Bistumsadministrator von Hildesheim, 1629 Propst des Stifts St. Cassius in Bonn, 1621-1640 kurkölnischer Premierminister, 9.11./15.12.1642-1649 Koadjutor des Fürstbischofs von Regensburg, 1645-1661 Apostolischer Vikar für Bremen und schließlich 12.4.1649-1661 Fürstbischof von Regensburg. Die Daten sind vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges im Detail komplex. 1643-1648 vertrat er die Interessen von insgesamt 17 katholischen Stiften und Abteien bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. Ihm ist die energische Durchsetzung und Durchführung des Restitutionsediktes zu verdanken, wodurch er 4 Domkirchen, 15 Kollegiatskirchen, 148 Klöster und eine große Zahl von Pfarreien zurückgewinnen konnte. Im Jahre 1660 wurde er zum Kardinal ernannt.

Sein 1630-1649 geführtes Wappen (Abb. oben, nach zeitgenössischem Stich von Lukas Kilian aus dem Jahr 1631) ist wie folgt aufgebaut: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein rotes Rad (Hochstift Osnabrück), Feld 2: in Rot zwei schräg gekreuzte silberne Schlüssel (Hochstift Minden), Feld 3: in Silber ein schwebendes schwarzes Nagelspitzkreuz (Hochstift Verden), Herzschild: silbern-blau schräggerautet, belegt mit einem rotgezungten goldenen Löwen (Familienwappen Wartenberg). Die Tendenz geht in den historischen Stichen (siehe Weblinks) zum ungekrönten Löwen. Dazu wird auf dem Schild eine Inful geführt, schrägrechts hinter dem Schild der Krummstab, schräglinks das gestürzte Schwert.

Es gibt daneben noch ein komplexeres Wappen (ohne Abb., siehe Weblinks) des vielfachen Kirchenfürsten mit insgesamt neun Feldern, bei dem wir das Symbol für Minden in Feld 1, das für Osnabrück in Feld 2, das für Verden in Feld 3 und das für Wartenberg in Feld 5 wiederfinden. Dazu kommen vier weitere Inhalte, darunter das silberne Kreuz in rotem Feld des Cassiusstiftes in Feld 5, das Nesselblatt für Schaumburg in Feld 8 etc. Dieses Wappen wird mit fünf Helmen geführt, wovon der mittlere eine Inful trägt, hinter der ein Vortragekreuz aufragt, der zweite das Osnabrücker Rad, der dritte die Schlüssel, der vierte das Nagelspitzkreuz und der fünfte einen Flug.

Diese beiden Wappenformen werden - wie leider die meisten unterschiedlichen Entwicklungsstufen der fürstbischöflichen Wappen - im Standardwerk von Gatz unterschlagen, in dem man auch engstirnig alle protestantischen Bischöfe von Osnabrück unter den Tisch fallen läßt, die sich nach Fürstbischof Wartenberg mit den katholischen abwechselten, obwohl der Titel des Werkes in keiner Weise auf die katholischen Bischöfe limitiert ist.

Sein ab 1649 geführtes Wappen ist wie folgt aufgebaut (vgl. Gatz und zeitgenössische Darstellungen, danach obige Abb.): Geviert mit Herzschild, Feld 1: in Rot ein silberner Schrägbalken (Hochstift Regensburg), Feld 2: in Silber ein rotes Rad (Hochstift Osnabrück), Feld 3: in Rot zwei schräg gekreuzte silberne Schlüssel (Hochstift Minden), Feld 4: in Silber ein schwebendes schwarzes Nagelspitzkreuz (Hochstift Verden), Herzschild: silbern-blau schräggerautet, belegt mit einem rotgezungten goldenen Löwen (Familienwappen Wartenberg). Trotz des Verlustes der Hochstifte Verden und Minden im Westfälischen Frieden führte Graf Wartenberg die betreffenden Wappen weiter. Die einzelnen Felder des Hauptschildes sind nach Wichtigkeit und Rangfolge angeordnet, nicht nach farblichen Gesichtspunkten, deshalb kommt es zu einer unschönen Doppelung der jeweiligen Feldfarben übereinander. Dazu wird auf dem Schild eine Inful auf einem roten Kissen geführt, schrägrechts hinter dem Schild das gestürzte Schwert, schräglinks der Krummstab, über allem ein roter Galero mit beiderseits sechs roten Fiocchi (bis 1660). In seinem letzten Lebensjahr paßte er Galero und Fiocchi dem neuen Rang als Kardinal an.

Mit Albrecht (Albert) Ernst Graf von Wartenberg (22.7.1635-9.10.1715) hat die Familie einen zweiten bedeutenden Kleriker hervorgebracht. Er wurde 1649 Domherr zu Regensburg, 1661 Kapitular am Regensburger Domstift, 1662 kaiserlicher Hofprediger und Kaplan, 1662 Propst von St. Cassius in Bonn als Nachfolger seines Onkels, 10.11.1687 Regensburger Weihbischof und Titularbischof von Laodicee in Phrygien (bezieht sich auf die antike Stadt Laodikeia am Lykos in der heutigen Westtürkei), 1699 Propst des Stiftes St. Johann in Regensburg. Außerdem war er ein Regensburger Historiker. Sein Wappen (ohne Abb.) besitzt einen gevierten Hauptschild, Feld 1 und 4: in Silber ein roter, zweibeiniger Drache (Cassiusstift in Bonn), Feld 2 und 3: gespalten, rechts in Rot ein silbernes Kreuz (Cassiusstift in Bonn), links Rauten schrägbalkenweise, und einen Herzschild mit dem Familienwappen wie zuvor beschrieben. Dazu wird eine Inful auf dem Schild geführt, hinter dem zwei Krummstäbe schräggekreuzt sind, und über allem ein Galero mit beiderseits jeweils zehn Fiocchi.

Genealogie der Grafen von Wartenberg:

Das Haus Löwenstein-Wertheim, ein Sproß der Wittelsbacher
Wie eine der Wappenkomponenten verrät, stammt auch das Haus Löwenstein-Wertheim von den Wittelsbachern ab. Der Stammvater war Kurfürst Friedrich I. der Siegreiche von der Pfalz (1.8.1425-12.12.1476), der aufgrund gewisser politischer Umstände zum Verzicht auf Ehe und Erben gezwungen wurde und die Münchner Hofdame Clara Tott (auch: Dett, evtl. von Dettingen) aus Augsburg liebte und offensichtlich auch heiratete, wobei der Zeitpunkt unklar ist. Daß sie vom Heiratsverbot entbunden wurden und heimlich geheiratet haben, ergibt sich daraus, daß ihr Sohn Friedrich (1461-1474) im Jahr 1472 zur Aufnahme in Domstifte Speyer und Worms eine eheliche Abkunft nachwies (unehelich wäre er gar nicht angenommen worden). Die Ehe war auf jeden Fall nicht standesgemäß, sondern morganatisch. Ihr zweiter gemeinsamer Sohn, Ludwig der Ältere (29.9.1463-28.3.1524, genannt Ludwig der Bayer) erhielt vom Nachfolger seines Vaters, Kurfürst Philipp von der Pfalz, zunächst die Herrschaft Scharfeneck (bei Landau) als Lehen. 1488 wurde ihm die Herrschaft Scharfeneck wieder entzogen, dafür bekam er das Amt Löwenstein in Schwaben mit der Burg Löwenstein (Landkreis Heilbronn), außerdem die Burg Wildeck bei Abstatt (Landkreis Heilbronn). Er wurde am 24.2.1494 von Maximilian I. in den Reichsgrafenstand erhoben und begründete das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim. Ein Intermezzo gab es 1504-1510: Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde die Grafschaft Löwenstein von Württemberg eingesackt und erst ein paar Jahre später als Lehen wieder zurückgegeben, nicht mehr reichsunmittelbar. Nachdem die Löwensteiner aber an die Reichsgrafschaft Wertheim gekommen waren und ihre Residenz verlegten, wurde die Grafschaft Löwenstein für sie weniger wichtig.

Das Haus Löwenstein-Wertheim spaltete sich 1611 in zwei Linien: Die Linie Löwenstein-Wertheim-Virneburg, später Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (evangelisch) hatte ihren Sitz in Kreuzwertheim; die im frühen 17. Jh.  abgesplitterte und von Graf Johann Dietrich begründete Linie Löwenstein-Wertheim-Rochefort, später Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (seit 1621 katholisch) hatte ihren Sitz erst in Kleinheubach, ab 1806 in Bronnbach, nach dessen Verkauf 1986 wieder in Kleinheubach. Weil aber gemäß Hausvertrag von 1597 alle Linien gleichberechtigte Erben waren, ergaben sich daraus in der Praxis sehr komplizierte Regierungsgeschäfte. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde festgelegt, daß die beiden Linien in der Grafschaft Wertheim gemeinschaftlich zu regieren hätten (Condominium). Im Wiener Kongreß wurde die ehemalige Grafschaft Wertheim wieder aufgeteilt, der nördliche Teil ging an Bayern, der südliche Teil mit der Stadt Wertheim an Baden. Die katholische Linie, hier in Kleinheubach relevant, schaffte 1711 den Aufstieg in den Reichsfürstenstand, die evangelische Linie erst 1812, erstere durch Nähe zum Kaiser, letztere durch Bayern. Der Wechsel im Namen beider Linien kam durch den Verlust linksrheinischer Territorien zustande; Rochefort in den belgischen Ardennen und Virneburg in der Eifel; statt dessen nannte man sich nun nach Rosenberg im Neckar-Odenwald-Kreis (ehem. Herrschaft Rosenberg, zwischenzeitlich Besitz der von Hatzfeld) resp. Freudenberg im Main-Tauber-Kreis (ehem. Herrschaft Freudenberg). Aber der katholischen Linie ging nicht nur Rochefort verloren, betroffen waren ebenso die linksrheinischen Besitzungen Chassepierre, Herbeumont, Agimont, Neufchâteau, Cugnon, Scharfeneck und Püttlingen. Dafür bekam die Linie im Reichsdeputationshauptschluß als Entschädigung aus mainzischem Territorium die Ämter Wörth und Trennfurt und aus würzburgischem Territorium die Ämter Rothenfels und Homburg, dazu die Klöster Neustadt, Bronnbach und Holzkirchen. Die evangelische Linie wurde im Reichsdeputationshauptschluß mit dem Amt Freudenberg, den Dörfern Mondfeld, Rauenberg, Wessental und Trennfeld sowie mit den Klöstern Triefenstein und Grünau entschädigt.

Zur Wappengeschichte: Als Stammwappen führten die Friedrich und Ludwig von Bayern vor dem Erwerb von Scharfeneck eine silbern-blau schräggerauteten Schild, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein silbern-blau schräggerauteter Flug. 1476 wurde der Schild geviert, Feld 1 und 4: Wittelsbach, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner, gekrönter Löwe (Herrschaft Scharfeneck), auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein gekrönter silberner Löwenrumpf zwischen dem Wittelsbacher Flug (Kombi-Kleinod). Mit dem Erwerb von Löwenstein wurde der Schild geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber auf grünem drei- oder viergespitztem grünen Schildfuß schreitend ein roter Löwe, gekrönt (Grafschaft Löwenstein), Feld 2 und 3: Scharfeneck, Herzschild: Wittelsbach. Dazu werden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf mehreren grünen Spitzen ein roter Löwe, gekrönt (Grafschaft Löwenstein), Helm 2 (links): Kombination Scharfeneck mit Wittelsbach wie zuvor.

Nach der Stolbergschen Erbschaft kamen sukzessive Wertheim, Königstein, Montaigu, Rochefort und Breuberg ins Wappen. Von Christoph Ludwig Graf von Löwenstein-Wertheim, Stifter der Linie Virneburg, ist folgendes Wappen überliefert: Über Schildfuß geviert, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: Wertheim, Feld 3: Montaigu, Feld 4: Scharfeneck, Schildfuß: Breuberg, Herzschild: Wittelsbach. Dazu werden drei Helme geführt: Helm 1 (Mitte): Löwenstein, Helm 2 (rechts): Kombination Wertheim und Breuberg, Helm 3 (links): Kombination Scharfeneck und Wittelsbach. Wolfgang Ernst Graf von Löwenstein-Wertheim, Bruder des zuvor Genannten, hat im Prinzip das gleiche Wappen geführt, anstelle des Schildfußes jedoch eine eingebogene Spitze mit Breuberg. Andere führten Breuberg als kleinen Schild an der Fußstelle aufgelegt. Die Wertheim-Breuberg-Helmzier wurde auf Platz 3 verschoben, während auf Platz 2 zu rot-silbernen Decken ein golden gekrönter, silberner, wachsender Ader mit roten Flügeln für Montaigu erscheint.

Als nächstes nimmt die Linie Löwenstein-Wertheim-Virneburg weitere Felder hinzu: Hauptschild zweimal gespalten und zweimal geteilt, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: Montaigu, Feld 3 und 6: Wertheim, Feld 4: in Silber eine rote ovale Schnalle (Grafschaft Rochefort, es findet sich auch der Hinweis auf eine goldene Schnalle im Siebmacher), Feld 7: Breuberg, Feld 8: in Gold sieben (4:3) zu zwei Reihen gestellte rote Wecken (Grafschaft Virneburg), Feld 9: Scharfeneck, Herzschild: Wittelsbach. Dazu werden vier Helme geführt, Helm 1 (innen rechts): Löwenstein, Helm 2 (innen links): Wertheim-Breuberg, Helm 3 (außen rechts): Montaigu, Helm 4 (außen links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein goldenes Schildchen mit sieben (4:3) zu zwei Reihen gestellten roten Wecken zwischen einem schwarzen, außen mit silbernen Kugeln besteckten Paar Büffelhörner (Grafschaft Virneburg). Weitere Zutaten folgen.

Bildbeispiel: Schloß Kreuzwertheim

Die Linie Löwenstein-Wertheim-Rochefort entwickelt sich ähnlich, macht nur einen Unterschied: Nicht Virneburg kommt in Feld 8, sondern die Grafschaft Mark. Das große Löwenstein-Wertheim-Rochefort-Wappen ist nach dem Reichsfürstendiplom vom 3.4.1711 zweimal gespalten und zweimal geteilt, Feld 1: in Silber auf grünem drei- oder viergespitztem grünen Schildfuß (drei- oder viergespitzter natürlicher Felsen) schreitend ein roter Löwe, gekrönt (Grafschaft Löwenstein), Feld 2: in Silber ein roter Adler (Grafschaft Montaigu), Feld 3: in Gold ein schwarzer aus der Teilung hervorkommender Adler (Grafschaft Wertheim, obere Hälfte), Feld 4: in Silber eine rote ovale Schnalle (Grafschaft Rochefort, es findet sich auch der Hinweis auf eine goldene Schnalle im Siebmacher), Feld 6: in Blau 3 silberne Rosen mit goldenem Butzen (Grafschaft Wertheim, untere Hälfte), Feld 7: in Silber zwei rote Balken (Herrschaft Breuberg), Feld 8: in Gold ein dreireihig silbern-rot geschachter Balken, oben ein daraus hervorkommender roter Löwe (Grafschaft Mark), Feld 9: in Rot ein silberner Löwe, gekrönt (Herrschaft Scharfeneck), Herzschild: silbern-blau schräggerautet (Haus Wittelsbach).

Neue Inhalte ergaben sich nach dem Reichsdeputationshauptschluß. Verlorene Territorien wurden durch die neu hinzugewonnenen, ehemals klösterlichen Besitzungen ersetzt. Nach dem königlich-bayerischen Wappenvermehrungsdiplom vom 20.12.1806 ist das Wappen der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg zweimal gespalten und zweimal geteilt, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: in Gold ein schwarzer Löwe (Königstein), Feld 3: Wertheim, Feld 4: Breuberg, Feld 6: in Rot drei silberne Gebirgsspitzen (Rothenfels), Feld 7: in Blau ein goldener Brunnen (Bronnbach), Feld 8: geteilt, oben in Silber eine rote Rose (wegen Rosenberg, irrig), unten silbern-rot geteilt und viermal gespalten (Herrschaft Rosenberg), Feld 9: in Blau ein fliegender silberner Habicht (Habitzheim), Herzschild: Wittelsbach. Dazu Fürstenhut und Wappenmantel. Nach dem königlich-bayerischen Diplom vom 19.11.1812 ist das Wappen der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg zweimal gespalten und dreimal geteilt, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: Königstein, Feld 3: Wertheim, Feld 4: Breuberg, Feld 6: geteilt, oben Rothenfels, unten ein mit drei silbernen Ringen belegter blauer Schräglinksbalken in einem beiderseits rot-silbern mit drei Spitzen geteilten Feld (Freudenberg), Feld 7: in Blau schräggekreuzt zwei silberne Schlüssel (wegen Kloster Triefenstein), Feld 8: Schenken von Limpurg, Feld 9 vereinigt mit Feld 12: in Rot das Schweißtuch der Veronika (wegen der Karthause Grünau), Feld 10: Bronnbach, Feld 11: Habitzheim, Herzschild (auf Feld 5): Wittelsbach. Zwei widersehende Löwen als Schildhalter, Fürstenhut und Wappenmantel.

Bildbeispiel: Schloß Löwenstein in Kleinheubach, am ehemaligen Marstall, heute Weingut, Wappen für Erbprinz Carl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, Ehemann von Stephanie Freiin von und zu Brenken, Gräfin Droste zu Vischering (21.4.1970-)

In seiner neuesten, reduzierten, "kleinen" Form ist das Wappen der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg halbgespalten und geteilt, oben rechts in Silber auf vier grünen Bergen einwärts schreitend ein goldengekrönter roter Löwe (Löwenstein), oben links silbern-blau schrägrechts gerautet (Wittelsbach), unten geteilt, oben in Gold ein aus der Teilung wachsender schwarzer Adler, unten in Blau drei (2:1) silberne Rosen mit goldenen Butzen (Wertheim).

Literatur, Links und Quellen:
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9. Für etliche der genannten Familienmitglieder finden sich in der Literatur unterschiedliche Lebensdaten. Wo möglich, wurden die Daten der Grabdenkmäler angegeben.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, S. 479
Kupferstich des Wartenberg-Wappens:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wartenberg_des_Stammes_Wittelsbach_Bayern-Wappen.png - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cb/Wartenberg_des_Stammes_Wittelsbach_Bayern-Wappen.png
Wartenberg-Wappen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Grafen_Wartenberg.svg - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Grafen_Wartenberg.svg
Gustav Weltrich: Der aufrechte Löwe: oder Die Grafen von Wartenberg, Taschenbuch, 304 S., Verlag: Books on Demand, 5. Auflage 2009, ISBN-10: 3837080269, ISBN-13: 978-3837080261 (Geschichte der Grafen von Wartenberg als historischer Roman verarbeitet) -
https://books.google.de/books?id=5YIpAQAAQBAJ
Genealogie:
http://geneall.net/de/name/11877/maria-pettenbeck/ - http://geneall.net/de/name/3193/ferdinand-von-bayern-graf-von-wartemberg/ - http://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&p=maria&n=pettenbeck
Schloß Wald:
http://www.skaliger.de/Forschung/Spurensuche/Deutschland/Wald.html
Weitere von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wartenberg_(böhmisches_Adelsgeschlecht)
Weitere von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wartenberg_(altmärkisch-nordthüringisches_Adelsgeschlecht)
Weitere von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Freiherren_von_Wartenberg
Weitere von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kolb_von_Wartenberg
Grafen von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wartenberg_(bayerisches_Adelsgeschlecht)
Franz Wilhelm Graf von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Wilhelm_von_Wartenberg - http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bwart.html
einfaches Wappen des Franz Wilhelm Graf von Wartenberg:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/df/Franz_Wilhelm_von_Wartenberg_Stich.jpg - http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479437.jpg - http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479473.jpg
früheres bischöfliches Wappen des Franz Wilhelm Graf von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Franz_Wilhelm_von_Wartenberg1a.jpg - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5d/Franz_Wilhelm_von_Wartenberg1a.jpg - http://www.bildarchivaustria.at/Pages/ImageDetail.aspx?p_iBildID=7479425 - http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479425.jpg - http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479485.jpg
neunfeldriges Wappen des Franz Wilhelm Graf von Wartenberg:
http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479491.jpg - http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479491.jpg
späteres bischöfliches Wappen des Franz Wilhelm Graf von Wartenberg:
http://www.araldicavaticana.com/b025.htm - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Franz_Wilhelm_von_Wartenberg_Wappen.jpg - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Franz_Wilhelm_von_Wartenberg_2a.jpg - http://www.bildarchivaustria.at/Pages/ImageDetail.aspx?p_iBildID=7479419 - http://www.bildarchivaustria.at/Preview/7479419.jpg
Gerhard H. Waldherr: Albert Ernst Graf von Wartenberg
http://www.uni-r.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/roemer/kapitel2/k2h3_wart.htm
Albert Ernst Graf von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Ernst_von_Wartenberg
Albert Ernst Graf von Wartenberg:
http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bwarta.html
Wappen von Albert Ernst Graf von Wartenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Albert_Ernst_von_Wartenberg.jpg - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/39/Albert_Ernst_von_Wartenberg.jpg - http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/roemer/kapitel2/k2_po5.htm - http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/roemer/archiv/205wart-gr.jpg
Pröpste des Cassiusstiftes:
http://www.citypastoral-bonn.de/presse/meldungen-2008/2008-12-04-marx-namenstag/2008-12-05-bonner-meunster_wappen.jpg
Ferdinand von Bayern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Bayern_(1550%E2%80%931608)
Lebensdaten nach den Epitaphien:
https://books.google.de/books?id=UcpAAAAAcAAJ&pg=PA379&dq=#v=onepage&q&f=false
Franz Wilhelm Graf von Wartenberg:
https://mthz.ub.uni-muenchen.de/index.php/MThZ/article/viewFile/466/394
Friedrich Anton Wilhelm Schreiber: Geschichte des bayerischen Herzogs Wilhelm V. des Frommen: nach Quellen und Urkunden dargestellt; ein Beitrag zur vaterländischen Geschichte, Verlag Lentner, München, 1860,
http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10378404-0
Claus D. Bleisteiner. Differenzierung des bayerisch-pfälzischen Wappens bei den wittelsbachischen Bastarden, in: Der Wappenlöwe, hrsg. vom Wappen-Löwen, heraldische Gesellschaft e. V., 18. Band, Sonderband, Eigenverlag, München 2013, ISBN 0931-5667, S. 193-226, insbesondere S. 210-211
Alfred Dreier: Wartenberg und die Wittelsbacher: Festschrift aus Anlaß des Festjahres 1980 im Markt Wartenberg, Gerstner, 1980, 238 S.
Ludwig I. von Löwenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_I._von_Löwenstein
Clara Tott:
https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Tott
Löwenstein-Wertheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Löwenstein-Wertheim
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Siebmacher Band Fürsten M, Band Baden

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