Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1043
Regensburg

Bischofshof

Der Bischofshof ist eines jener typisch regensburgischen Konglomerate aus verschiedensten Bauphasen, von der Römer- bis zur Neuzeit fast alles umfassend. In der Nähe des Domes gelegen, ist der Bischofshof das Quartier der Regensburger Bischöfe. An seiner nördlichen Außenwand finden wir das römische Stadttor, das Nordtor, die Porta Praetoria, welches aber auch Wassertor wegen seiner Nähe zum Fluß Donau genannt wird. Hier nahm früher in römischer Zeit eine der Hauptachsen der Stadt ihren Ausgangspunkt, die Via Praetoria, durchschnitt den heutigen Bischofshof und führte südlich zur Porta Decumana. Als der Vorgängerbau des Domes hier das alte Tor überbaute, war die Straße gesperrt, und der Bischofshof konnte sich nach Westen ausdehnen. Nicht nur die Bischöfe wohnten hier, auch die Kaiser nahmen hier ab dem 16. Jh. bei ihren Besuchen Quartier. Und 1623 wurde hier der Herzog Maximilian I von Bayern mit der Kurwürde belehnt. Und in den Räumen dieses Komplexes wurde 1810 der Anschluß Regensburgs an das Königreich Bayern vollzogen. Kein spektakulärer Palast ist der Bischofshof, sondern ein äußerst geschichtsträchtiger Komplex.

Blick auf den Südwestflügel des Regensburger Bischofshofes aus dem ersten Drittel des 16. Jh., ein schlichter zweigeschossiger Bau, dessen einziger Schmuck zwei Renaissance-Portale sind. Das westliche Portal besitzt ein Rundbogentympanon mit drei Wappenschilden, die um einen hockenden Putten gruppiert sind, der die beiden äußeren, nach innen geneigten Schild mit den erhobenen Händen faßt und den Fuß des dritten Schildes auf seinem Kopf balanciert, ein einzigartiges Ensemble, wo eine einzige Figur zum Schildhalter gleich dreier Wappenschilde wird. Die Inschrift erklärt, daß Pfalzgraf Johann, Herzog von Bayern, Administrator des Bistums Regensburg, diesen Bau begonnen hat, daß ihn aber Bischof Vitus von Fraunberg (1563-1567) 1565 fertiggestellt hat. "R(EVEREN)DISSIMVS AC ILLVSTRISS(IMVS) PRINCEPS D D IOANNES COMES PALAT(INAE) RENI DVX BAVARIAE ECCLESIAE RATISBON(ENSIS) QVODAM ADMINISTRATOR HOC OPVS INCHOAVIT QVOD TADEM R(EVEREN)DISS IN CHRO PR AC D D VITVS A FRAVNBERG EIVSDE ECCL(ES)IAE PERFICI CVRAVIT ANNO D(OMI)NI MDLXV"

Die drei Schilde stellen im einzelnen dar:

Das andere Portal, im ersten Bild in der Mitte des Photos zu erkennen, hat einen dreieckigen Giebel. Zwischen den beiden Teilen der Jahreszahl 1573 befindet sich ein bischöfliches Wappen, unter Mitra und Krummstab sind die beiden Schilde des Hochstiftes (in Rot ein silberner Schrägrechtsbalken, hier gewendet und seitenverkehrt) und der Familie Kölderer von Burgstall (Kölderer zu Burkstall) zusammengestellt. Letzteres ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot übereinander zwei silberne "Werfen" (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Rot das Vorderteil eines goldenen Kamels mit einem roten Zaum und vor sich hängendem Zügel.

Das Wappen steht hier für den Regensburger Bischof David Kölderer von Burgstall (1567-1579), lt. Inschrift: DAVID DEI ET AP(OSTO)LICAE SEDIS GRATIAE EPISCOPVS RATISBONENSIS. Der Bruder des Bischofs, Judas Machabäus Kölderer von Burgstall, war fürstl. Salzburg- und Regensburgischer Rat, Hofmarschall, Pfleger zu Bärbing, gest. 1592. Diese Kölderer gehören zu derjenigen Linie des Geschlechts, die in Person des David Kölderer, Landrichter zu Gastein, von Kaiser Karl V mit Diplom vom 12.5.1541 die Wappenvermehrung genehmigt bekamen, bei der das Stammwappen mit dem Wappen der Nawer geviert wurde. Joachim von Nawer war der Schwiegervater von David Kölderer, und nach dem Tode seiner selbst und seiner Söhne war das Wappen heimgefallen.

Zu dem Wappen der Kölderer von Burgstall gehören zwei Helme: Helm 1 (vorne): goldener Greifenfüß mit einem roten Flügel, dieser mit zwei silbernen Werfen übereinander belegt. Decken rot-silbern (Stammhelm Kölderer). Helm 2 (hinten): gekrönt, wachsendes Vorderteil eines goldenen Kamels mit einem roten Zaum und vor sich hängendem Zügel. Decken rot-golden (Helm Nawer, dabei hatten die zuerst einen Stechhelm geführt, erst durch Diplom von 1541 wurde dieser zugunsten Davids in einen Turnierhelm verwandelt).

Daneben gibt es noch die Kölderer zu Höhe, die mit unserem Familienzweig hier nichts zu tun haben. Sie bekamen 1538 einen schwarzen Wolf als Vermehrung in Feld 2 und 3 verliehen.

Blick auf den Nordflügel, der in spätgotischer Zeit unter Bischof Friedrich II von Plankenfels (1450-1457) über der römischen Mauer erbaut wurde. Der im Bild rechts angeschnittene Bogen führt durch das römische Tor, dessen Reste wir auf der anderen Seite außen bewundern können. Die hier sichtbaren Arkaden über drei Geschosse stammen weder aus der einen noch aus der anderen Periode, sondern stammen aus der Renaissance und wurden 1550/1560 erbaut.

Dieser Nordflügel trägt auf der nördlichen Außenseite in Höhe des ersten Obergeschosses ein Wappen des Bischofs Friedrich II von Plankenfels (1450-1457) mit der Inschrift "her fridrich von planckenfe /ls bischoue 1474" Der optisch linke Wappenschild ist der des Hochstiftes Regensburg, in Rot ein silberner Schrägrechtsbalken, hier gewendet und seitenverkehrt. Der optisch rechte Wappenschild ist das Familienwappen des Bischofs, das der Familie von Planckenfels (Plankenfels, Blankenfels), in Silber ein blauer Wolf. Über die zugehörige Helmzier gibt es unterschiedliche Angaben:

Blick auf die Überreste des römischen Stadttores (Porta Praetoria, Wassertor) an der Nordostecke des Bischofshofes.

Dieser kuppelbedachte Runderker befindet sich an der Nordwestecke des Bischofshofes. Er ist auf 1573 datiert und geht auf den Regensburger Bischof David Kölderer von Burgstall (1567-1579) zurück.

In der Kehlung des Runderkers sind die beiden Schilde des Hochstiftes (in Rot ein silberner Schrägrechtsbalken, hier gewendet und seitenverkehrt) und der Familie Kölderer von Burgstall (geviert, Feld 1 und 4: in Rot übereinander zwei silberne "Werfen" (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Rot das Vorderteil eines goldenen Kamels mit einem roten Zaum und vor sich hängendem Zügel, Wappen Nawer, hier falsch angestrichen) zusammengestellt. Was ist aber eine "Werfe", wie das Objekt im Siebmacher genannt wird? "Werfel" ist ein oberpfälzischer Ausdruck für eine Kurbel, und dieses könnte nach Form und Bedeutung dem Objekt möglicherweise entsprechen. Bischof Kölderer entfaltete rege Bautätigkeit am Bischofshof, unter seiner Regierung entstanden auch die Fenstergewände am hofseitigen Westflügel, ferner ließ er den Bischofshof mit Fresken ausmalen (nichts erhalten). Nach ihm kam es zu keinen größeren Baumaßnahmen mehr am Bischofshof.

Auf der Abschrägung des Erkers befindet sich ein Wappen aus der Neuzeit, datiert auf 1904, aus der zeit der Erneuerung der Gaststätte unter Karl Frank stammend, Unter der Büste von St. Wolfgang befindet sich das Wappen mit zwei gekreuzten goldenen Schlüsseln in rotem Feld, in dieser Farbgebung ist es das Wappen der alten Burggrafen von Regensburg. Anzunehmen ist freilich, daß hier das Stadtwappen gemeint ist, dessen Schlüssel sind aber silbern.

Dieses Wappen mit der Inschrift "UT IN OMNIBUS GLORIFICETUR DEUS" ist dem Kollegiatsstift St. Johann zuzuordnen, das praktisch an der Südwestecke vom Bischofshof eingequetscht wird. Bei diesem Stift handelt es sich um eine Gründung von 1127, von bis 1226 war es ein Augustiner-Chorherren-Stift, danach ein Kollegiatsstift (bis heute). Die heutige Kirche ist ein Neubau von 1766 und trägt über den Portalen das gleiche Wappen, aber gemalt. Das Wappen zeigt in von Gold und Blau gespaltenem Schild zwei fünfzackige Sterne in verwechselten Farben, auf der barocken Kartusche eine Inful, dahinter schrägrechts ein Abtspedum.

Literatur, Quellen und Links
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9
Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter Dr. Theodor Matthias Leipzig 1932 S. 622
ein herzliches Dankeschön an Herrn Ingo Bodin für wertvolle Hinweise.

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