Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1397
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Sebald in Nürnberg (11)
Behaim-Stammbaum

Ein kurzer Exkurs zwischen all den Glasfenstern in die Zone auf Augenhöhe, eine kurze Entspannung für die Nackenmuskeln, denn passend zum im letzten Kapitel besprochenen Behaim-Fenster befindet sich an der Südwand von St. Sebald ein monumentaler Stammbaum der Familie Behaim. Er ist aufgeteilt in zwei Bereiche, linkerhand der frühe Abschnitt von 1187 bis 1418, rechts der spätere Teil von 1449 bis 1603. Der Baumstamm des jeweiligen Stammbaumteiles entspringt dabei jeweils einem schlafenden (entschlafenen) Familienmitglied, links ein Geharnischter, rechts ein in schwarze Robe und Barett Gekleideter. Der Stammbaum ist gänzlich ohne Namen, allein die Wappen illustrieren die Abstammung. Lediglich die drei Brüder, deren Abstammung hier dargestellt wird, werden auf dem Rahmen erwähnt.

Beginnen wir mit der linken Partie: Heraldisch rechts befindet sich immer das Behaim-Wappen, silbern-rot gespalten, belegt mit einem schrägrechten schwarzen Wellenbalken (zu den Varianten siehe vorheriges Kapitel). Das Oberwappen ist separat und vergrößert links neben den Stammbaum gemalt, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein auffliegender, goldenbewehrter, silberner Adler mit einer schwarzen Krone um den Hals. Auf der rechten Seite genauso, aber in anderem Stil.

1.) Albrecht Behaim, Ehefrau Anna von Wilhelmsdorf (Wilhermsdorf), Tochter von Ortolph von Wilhelmsdorf. Der Schild der Ehefrau ist geteilt von Gold und Blau, oben drei rote Rauten nebeneinander, das Wappen Wilhelmsdorf. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein wachsender, blau gekleideter Mannesrumpf mit einer blauen Mütze mit goldenem, mit drei roten Rauten belegtem Stulp, die Mütze an der Spitze mit drei Straußenfedern in den Farben gold-rot-blau besteckt, Decken blau-rot im Scheiblerschen Wappenbuch, silbern-rot im Churbayrischen Wappenbuch und im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 62 Tafel: 63.
2.) Friedrich Behaim, gest. 5.8.1295, vermählt mit einer Frau aus dem Geschlecht der Vorchtel, Tochter von Sebald Vorchtel und dessen Frau aus dem Hause der Stromer. Der Schild der Ehefrau zeigt das Wappenbild der Vorchtel und ist golden mit einem roten Sparren. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein Paar goldener Büffelhörner, rechts mit einem roten Schräglinksbalken, links mit einem roten Schrägrechtsbalken belegt und außen mit silbernen Straußenfedern besteckt (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 96 Tafel: 94). Im Wernigeroder Wappenbuch ist jedes Büffelhorn für sich mit einem roten Sparren belegt, und die Hörner sind außen mit je vier silbernen Lindenblättern besteckt.
3.) Albrecht II. Behaim, geb. 6.2.1250, gest. 6.10.1342, wurde 92 Jahre alt, vermählt am 1.10.1280 mit Ursula Eisvogel, Tochter von Heinrich Eisvogel und dessen Frau aus dem Hause Ebner. Ursula Eisvogel verstarb am 25.5.1328. Der Schild der Ehefrau zeigt das Wappen der Eisvogel, in Silber drei (2:1) natürliche Eisvögel. Das Wappen wird beim Eisvogel-Fenster näher beschrieben.
4.) Friedrich II. Behaim, geb. 30.6.1285, gest.28.9.1365, vermählt am 19.1.1310 mit Margarete Pfinzing, Tochter von Friedrich Pfinzing und Elisabeth Geuschmid. Margarete verstarb am 23.4.1368. Der Schild der Ehefrau ist golden-schwarz geteilt (Wappen Geuschmid). Das Wappen wird beim Eisvogel-Fenster näher beschrieben.
5.) Michael I. Behaim, geb. 29.9.1315, gest. 1.10.1389, vermählt 1357/1362 in zweiter Ehe mit Margarethe Kumpf, gest. 1376, Tochter von Conrad Kumpf. Michaels erste Ehefrau war Kunigunde Stromer, seine dritte Ehefrau war Margarete Wagner. Der Schild heraldisch links zeigt einen rot gekleideten, blonden Frauenrumpf, anstelle der Arme zwei außen mit goldenen Kugeln besteckte Hörner, unbelegt.
6.) Michael II. Behaim, geb. 1373, gest. 1446, vermählt 1392 mit Dorothea Vetter, gest. 1409. Nach ihr hatte Michael sich noch dreimal vermählt, 1409 mit Barbara Stromer, 1423 mit Elisabeth Rieter und 1426 mit Christina Ortlieb. Das Wappen Vetter (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 119 Tafel: 79, Schöler Tafel 123) zeigt in Gold das Brustbild eines rotgekleideten Mannes mit ebensolchem flachen Hut. Die Helmzier wäre der Mannesrumpf wachsend, Decken rot-golden.

Danach geht der Stammbaum auf der anderen Seite weiter:
7.) Michael III. Behaim, geb. 1398, gest. 9.11.1449, vermählt am 30.9.1420 mit Elisabeth Hirschvogel, gest. 16.11.1449, Tochter von Ulrich Hirschvogel und Agnes Knopf. Das Wappen der Hirschvogel zeigt in Schwarz auf einem silbernen Stufenschildfuß stehend einen flugbereiten, goldenen Vogel (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 75 Tafel: 74, Band: Bg1 Seite: 9 Tafel: 5). Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre der Vogel auf dem Stufengiebel, Helmdecken schwarz-golden.
8.) Leonhard Behaim, geb. 1433, gest. 1486, vermählt 1455 mit Kunigunde Volckamer, geb. 1433, gest. 1496, Tochter von Georg Volckamer und Katharina Münzmeister. Das Wappen der Volckamer ist von Silber und Blau geteilt, oben ein halbes rotes Rad mit drei Speichen, unten eine silberne Lilie. Es wird beim Volckamer-Fenster genauer besprochen.
9.) Michael VII Behaim, geb. 9.7.1459, gest. 24.10.1511, 1502-1511 Ratsbaumeister, vermählt mit Margareta Winter. Der Wappenschild der Familie Winter zeigt in blau-golden geteiltem Schild ein farbverwechseltes, aufspringendes Einhorn (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 143 Tafel: 98). Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein goldenes Einhorn wachsend.
10.) Friedrich VII Behaim, geb. 1491, gest. 25.9.1533, vermählt am 28.7.1516 mit Clara Imhoff, Tochter von Hans v. Imhoff und Catharina Muffel von Eschenau. Das Imhoff-Wappen zeigt in Rot einen goldenen See-Löwen mit einem über dem Kopf schwingenden Fischschwanz, auf dem linken Vorderbein stehend, das rechte vorwärts streckend.
11.) Paul I. Behaim, geb. 25.1.1519, gest. 22.8.1568, Vorstand der Kriegsstube, vermählt in zweiter Ehe 1554 mit Magdalena Römer, Tochter von Georg Römer. Seine erste, 1549 geehelichte Frau war Barbara Kötzler. Der Römer-Wappenschild (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 45 Tafel: 28, Band: BayA1 Seite: 88 Tafel: 88) zeigt in Gold aus einem silbernen Gewölk hervorkommend Kopf und Hals eines schwarzen Straußen mit silbernem Hufeisen im Schnabel. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre das Schildbild zu schwarz-goldenen Decken. Das Wappen wurde 1558 vermehrt, 1625 starb das Geschlecht aus.

Von diesem zweigen drei Söhne ab:
12.a) Christoph I. Behaim, geb. 1562, gest. 1624, vermählt 1589 mit Clara Tucher, geb. 23.2.1565, Tochter von Adam Tucher und Anna Tetzel. Der Tucher-Wappenschild ist geteilt, oben von Schwarz und Silber fünfmal schrägrechts geteilt, unten in Gold ein schwarzer Mohrenkopf.
12.b) Paul II. Behaim, geb. 8.10.1557, 1620/21 vorderster Losunger, gest. 13.12.1621, vermählt in erster Ehe 1583 mit Ursula Sitzinger, in zweiter Ehe 1591 mit Rosina Paumgartner, geb. 1569, und 1611 in dritter Ehe mit Maria Bayer (Pair, Pairn). Hier ist eine konzeptionelle Änderung: Viele der Vorfahren hatten zwar mehrere Ehen, aber es wurde natürlich nur der Wappenschild der direkten Abstammung, der tatsächlichen Mutter in der Blutlinie abgebildet. Hier endet der Stammbaum bei den drei Brüdern, und deshalb werden hier alle drei Ehefrauen in einem in drei Felder im Deichselschnitt unterteilten Schild aufgenommen. Der Schild der Sitzinger ist von Rot und Silber schräglinksgeteilt mit dem Brustbild eines bärtigen Mannes, Gewand und Hut in verwechselten Farben (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 86 Tafel: 53, Schöler Tafel 124). Die nicht dargestellte Helmzier wäre ein wachsender, bärtiger Mann in rotem Gewand und mit silberner Mütze, mit der Rechten einen silbernen Streitkolben über die Schulter legend, die Linke eingestemmt, Decken rot-silbern. Der Paumgartner-Schild ist von Silber und Schwarz geteilt, oben ein rot bewehrter grüner Sittich mit rotem Halsband, unten eine silberne Lilie. Das Wappen wird beim Paumgartner-Fenster besprochen. Der dritte Wappenbestandteil zeigt im silbernen Schild einen blauen Greifen (Bayer, Pair, Pairn).
12.c) Friedrich VIII Behaim, geb. 29.12.1563, gest. 23.4.1613, vermählt am 22.1.1588 mit Ursula Geuder von Heroldsberg, geb. 3.2.1565, Tochter von Alexander Geuder von Heroldsberg und Ursula Haller von Hallerstein. Der Geuder-Schild zeigt in Blau ein gestürztes silbernes Dreieck, an jeder Spitze mit einem silbernen Stern besteckt.

Übrigens - Behaim oder Beheim? Die Schreibweise der Behaims in Nürnberg variierte wie zu der Zeit üblich: Behem, Pöheim, Beheym, alles kam vor. Nun gab es aber in Nürnberg eine weitere angesehene, aber nicht ratsfähige Familie von Baumeistern und Geschützgießern. Um Verwechslungen auszuschließen einigte man sich darauf, dass die Ratsfamilie zukünftig Behaim heißen soll und die Baumeister Beheim.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Sebald mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Dr. Axel Töllner und Herrn Pfarrer Gerhard Schorr vom 12.7.2010, wofür ihnen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Nürnberger Patriziat im Historischen Lexikon Bayerns:
http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45240
St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/
3D-Panorama St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/fileadmin/Bildmaterial/Atuelles/Sebalduskirche_02c.mov
Virtueller Rundgang St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=16
Genealogie:
http://wc.rootsweb.ancestry.com/cgi-bin/igm.cgi?op=SHOW&db=patriziat&surname=BEHAIM
Genealogie:
http://gw5.geneanet.org/index.php3?b=tschmid&lang=de&m=NG&t=N&n=behaim&x=0&y=0
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Genealogien:
http://merkelstiftung.de/Familie/familiendaten/familygroup.php?familyID=F3139&tree=PWMerkel

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