Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (10)

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1912 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Robert F. Heuser. Das Exlibris ist außerhalb der Rahmenlinie unten links datiert und unten rechts mit dem charakteristischen Monogramm LR signiert. Das Wappen zeigt in Rot im Schildfuß einen grünen Dreiberg, fächerförmig besteckt mit drei gefiederten, gestürzten, goldenen Pfeilen. Auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken eine rote, gezinnte Burg mit Mittelturm zwischen zwei goldenen Büffelhörnern. Ein vergleichbares Wappen findet sich im Bergischen Wappenbuch Bürgerlicher Familien, Tafel 51, S. 129 beschrieben. Diese Familie Heuser stammt aus Niedergelpe bei Gimborn in Barmen und Elberfeld. Im Bergischen Wappenbuch werden die Farben jedoch abweichend angegeben, in Rot im Schildfuß ein grüner Berg, fächerförmig besteckt mit drei gefiederten, gestürzten, silbernen Pfeilen. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne, dreitürmige Burg zwischen zwei silbernen Büffelhörnern mit roten Spangen. Bockhacker (1936) gibt einen Dreiberg, aber keine Farben an. Holtmanns gibt wiederum abweichende Farben an: In silbernem Schild auf grünem Dreiberg drei blaue Pfeile. Helmzier eine rote Burg zwischen silbernen Hörnern.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für die Familie Schultz tho Jührden. Das Exlibris ist innerhalb des Rahmens unterhalb des Schriftbandes mit dem charakteristischen Monogramm LR signiert. Die heraldischen Elemente werden von einer reichgestalteten Komposition aus Weinreben mit Trauben umrankt. Die Familie hieß zuerst nur Schultz. Schlüsselfigur der Namenserweiterung ist der Handelskaufmann Heinrich Schultz aus Geisenheim, der aufgrund einer Verschwägerung mit der Inhaberfamilie 1913 Mitteilhaber der Firma J.G.Klamroth in Halberstadt wurde, in der er nach diversen Tätigkeiten in England und Amerika im Jahre 1910 Fuß gefaßt hatte, und der sich später den Namenszusatz "tho Jührden" zulegte. Das Wappen der Familie Schultz tho Jührden ist gespalten, vorne in Gold ein rotbewehrter schwarzer Adler am Spalt, hinten in über grünem Boden silbern-rot gespaltenem Feld ein Mann mit umgegürtetem Schwert und einem Stab in der Rechten, Kleid und Mütze in verwechselten Farben. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken drei grüngestielte und beblätterte Rosen, eine silberne zwischen zwei roten, alle grün bespitzt und golden bebutzt. Die Devise lautet "Post nubila Phoebus", das bedeutet soviel wie "nach Wolken die Sonne" oder freier "auf Regen folgt Sonnenschein".

Der Wappenschild optisch links oben ist geviert mit eingebogener Spitze und steht für das Großherzogtum Oldenburg, Feld 1: von Gold und Rot dreimal geteilt (hier ein Fehler, es müßte sein: in Gold zwei rote Balken für die Grafschaft Oldenburg), Feld 2: in Blau ein schwebendes goldenes Fußspitzkreuz oder Ankersteckkreuz (Herrschaft Delmenhorst), Feld 3: in Blau ein schwebendes goldenes Tatzenkreuz, auf dem oberen Ende mit einer silbernen, goldenverzierten Inful besetzt (Fürstentum Lübeck, vgl. Bistum Lübeck), Feld 4: von Silber und Rot geschacht (Fürstentum Birkenfeld), eingebogene Spitze: in Blau ein gekrönter goldener Löwe (Erbherrschaft Jever). Zur komplexen Geschichte: Die Grafen von Oldenburg erlangten 1180 Reichsunmittelbarkeit. 1234 erwarben sie die Hälfte des Stedinger Landes und erbauten 1247 die Burg Delmenhorst. 1272 entstanden zwei Linien, die Oldenburger und die Delmenhorster, welche aber unter Graf Dietrich dem Glücklichem (gest. 1440) wieder vereint wurden. Als die Oldenburger dänische Könige wurden, sank das Interesse an den Stammländern. Ab 1667 (Tod des Grafen Anton Günther von Oldenburg, letzter Graf) war der dänische König Landesherr in Oldenburg. 1773 überließ König Christian VII. von Dänemark die Grafschaft Oldenburg und Delmenhorst dem Großfürsten und späteren Zaren Paul von Rußland (der aus dem Hause Holstein-Gottorp stammte), der sie noch im selben Jahr seinerseits an den Bischof von Lübeck abtrat, der wiederum ein gottorpischer Prinz war. Nur vier Jahre später wurden am 22.3.1777 die Grafschaften zu einem Herzogtum Holstein-Oldenburg erhoben unter der Führung des Begünstigten, Prinz Friedrich August (gest. 6.7.1785). Da dessen Sohn regierungsunfähig war, wurden die Regierungsgeschäfte vom Neffen Peter Friedrich Ludwig (gest. 21.5.1829) übernommen, der selbst 1823 als Herzog nachfolgte. Auf genau diesen geht die Stammlinie des großherzoglichen Hauses zurück. Kam einst Oldenburg an Lübeck, so war es nun umgekehrt: 1803 bekam der Herzog das säkularisierte Bistum Lübeck als Fürstentum hinzu. Übrigens ist das Wappen des Bistums Lübeck eigentlich kein geistliches Wappen, sondern eines, welches die Herzöge von Holstein-Gottorp als "postulierte Bischöfe" für diesen Besitz gebrauchten, denn das Bistumswappen war nur das Kreuz, und die Inful stand auf dem Schildrand. Durch einen Fehler wanderte die Inful in den Schild hinein und verblieb dort, erst in einem eigenen Feld über dem Kreuz, später verschwand die Teilungslinie, und die Mitra wanderte noch tiefer und bekleidete nun das obere Kreuzende. Eigentlich sollte die Mitra noch abflatternde Dependenzen haben, diese fehlen aber in der vorliegenden Darstellung. Es folgte für Oldenburg die Zeit französischer Besetzung, das Herzogtum Oldenburg wurde unter Napoleon 1810 aufgelöst und in Frankreich inkorporiert, jedoch 1813 wieder rekonstituiert und anschließend erweitert, 1815 kam nach dem Zusammenbruch des Systems Napoléon Birkenfeld aus dem Saardepartement hinzu, welches das Schach der alten Sponheimer Grafen in das Wappen brachte (hintere Grafschaft Sponheim), wobei das Fürstentum Birkenfeld aus Teilen der hinteren Grafschaft Sponheim, Oberstein und Veldenz gebildet wurde, und 1818 kam Jever hinzu, das bin dahin dem Zarenreich gehört hatte. An Oldenburg kam Jever eigentlich schon viel früher: Die Erbtochter Marie aus dem Hause Papinga hatte laut Testament vom 22.4.1573 das Land dem verwandten Grafen von Oldenburg vermacht, und nach ihrem Dahinscheiden am 20.2.1575 nahm Oldenburg Jever in seinen Besitz und nahm den Löwen in das Wappen auf. Die Krone bekam der Löwe von Jever allerdings erst später. 1815 wurde Peter Friedrich Ludwig auf dem Wiener Kongreß der Titel "Großherzog von Oldenburg" verliehen, aber erst sein Sohn und Nachfolger Paul Friedrich August (gest. 27.2.1853) führte diesen ab dem 28.5.1829.

Der Wappenschild optisch rechts oben zeigt in Silber einen königlich gekrönten, schwarzen, golden bewehrten und rotgezungten Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln und goldenem preußischen Königszepter und Reichsapfel in den Fängen sowie den Initialen FR (für Fridericus Rex, König Friedrich I.) auf der Brust (Königreich Preußen). In Schwarzweiß-Darstellungen sind der brandenburgische und der preußische Adler wie folgt zu unterscheiden: Der preußische Adler hat auf der Brust das Monogramm mit "FR", der brandenburgische Adler jedoch ein Schildchen mit Zepter für den Erzkämmerer (Archicamerarius), der in Blau ein goldenes Reichszepter führte. Und wenn das nicht ausreicht, kann man die Adler an den Objekten unterscheiden, die sie in den Fängen haben. Der preußische Adler hat das preußische Königszepter mit Adler obendrauf und den Reichsapfel in den Fängen, der brandenburgische Zepter und Schwert.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1920 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Professor Dr. A. Banzer und seine Frau Sofie geb. Egger. Das Exlibris ist zwischen Ast-Rahmen und geradem Rahmen unten rechts datiert, das charakteristische Monogramm LR teilt die Jahreszahl.

Das Wappen Banzer zeigt unter einem Schildhaupt mit drei balkenweise gestellten Schildchen einen abgerissenen Hahnenkopf. Auf dem Helm ein offener Flug, rechts belegt mit einem Schildchen mit drei (2:1) kleinen Schildchen, links belegt mit einem Schildchen mit einem abgerissenen Hahnenkopf. Das Wappen Egger zeigt eine trapezförmige Egge (redendes Wappen!) zwischen drei (2:1) Chrysanthemenblüten (oder einer anderen Blüte aus der Familie der Asteraceae), Helmzier unbekannt. Die Schilde beider Ehepartner werden hier als Ehewappen unter dem mittig gestellten Helm mit Zier des Mannes vereinigt. Das Rahmenwerk aus beblätterten Ästen greift das Motiv der Asteraceen-Blüte im oberen Teil auf. Unten befinden sich nebeneinander zwei Ansichten von idyllisch im Grünen gelegenen Häusern, bezeichnet als "Albertshöhe" und "Sofienruhe", auf die beiden Vornamen der Ehepartner anspielend.

Ein späteres Exlibris vom gleichen Künstler berichtet uns Lebensdaten des Paares. Die beiden Wappenschilde sind wie beschrieben in den beiden unteren Ecken des 1920 gezeichneten Blattes zu sehen. Den Großteil der Fläche nimmt aber die Biographie ein: Prof. Dr. Adalbert Banzer wurde am 22.10.1858 in München geboren und lehrte an der städtischen höheren Handelsschule. Seine Frau Sofie Banzer geb. Egger wurde am 11.5.1856 in Obermeitingen geboren. Sie verstarb am 6.7.1919 auf Albertshöhe an den Folgen eines Bauchdurchschusses, den sie von einem Weißgardisten bekommen hatte bei der militärischen Besetzung des Dorfes Wangen in der Nähe von Starnberg durch das Korps Epp am 30.4.1919 abends um 7 Uhr. Das Ehepaar erbaute den Sitz Albertshöhe bei Wangen im Jahre 1894, ferner den Sitz Sophienruhe in Menterschwaige bei München, Holzkirchner Straße 7, im Jahre 1901. Den idyllisch gelegenen Sitz Albertshöhe gibt es noch, man kann dort sogar Ferienwohnungen mieten.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1914 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Maximilian Boeck. Das Exlibris ist außerhalb des Ast-Rahmens unten rechts datiert, das charakteristische Monogramm LR teilt die Jahreszahl. Das Exlibris zeigt zwei einander zugewandte Vollwappen mit in der Mitte umeinander geschlungenen Helmdeckenzipfeln, heraldisch rechts (das gewendete Wappen) gespalten, vorne in Blau zwei goldene Sterne übereinander, hinten von Rot und Silber fünfmal schräggeteilt, auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein goldener Stern zwischen einem blauen Flug (ohne Literaturbeleg, Hinweise willkommen). Heraldisch links sehen wir in Silber einen schwarzen, aufspringenden Bock, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken der schwarze Bock wachsend (ohne Literaturbeleg, Hinweise willkommen).

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1912 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Fr. W. Rötgers. Das Exlibris ist unten links datiert und unten rechts mit LR signiert. Das Wappen der aus Hamburg stammenden Familie Rötgers zeigt in Silber zwei schräggekreuzte blaue Fische mit goldenen Flossen und ist beschrieben im Siebmacher, Band Bg5, Seite: 31, Tafel: 37. Die Helmzier auf blau-silbern bewulstetem Helm zeigt eine goldene Hausmarke mit Vierkopfschaft, das freie Ende gekreuzt, um deren Schaft unten der Buchstabe "C" verschränkt ist, zwischen zwei blau-silbern übereckgeteilten Büffelhörnern. Die Helmdecken sind blau-silbern. Die Farbangaben im Siebmacher weichen etwas ab, dort werden die Fische nur als blau angegeben, für die Hausmarke keine Farbe und für die Helmdecken blau-golden-rot, ferner werden die Hörner als blau-rot bzw. rot-blau geteilt beschrieben, was alles nicht zutreffend ist.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1919 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Leopold Christoph Ludolf von Bessel. Das Exlibris ist außerhalb des bewegt geführten Rahmens unten links datiert und unten rechts mit LR signiert. Leopold Christoph Ludolf von Bessel, Kapitän und Oberst, war seit dem 28.2.1824 mit Sibylla Ludovica zum Pütz (13.5.1801-26.1.1829) verheiratet. Beide hatten drei Kinder: Klara A. von Bessel, geb. 8.6.1825, Arnold Hermann von Bessel, geb. 16.6.1826 und Heinrich Otto von Bessel, geb. 6.5.1827. Letzterer heiratete am 1.7.1874 in Aachen Emilie Julie von Schütz, und hatte mit ihr einen Sohn gleichen Namens wie der Großvater, Leopold Christoph Ludolf Josef Maria Hubert von Bessel, geb. 11.7.1875, bei dem es sich um den Bucheigner handelt.

Das Wappen der 1494 in den Adelsstand erhobenen von Bessel zeigt in Silber aus grünem Boden wachsend einen grünen Baum (Palme, Palmbaum), gegen den ein schwarzer Hirsch mit goldenem Halsband anspringt. Das Wappen ist hier gewendet. Auf dem gekrönten Helm mit offensichtlich schwarz-silbernen Decken wird das Schildbild wiederholt. Im Siebmacher, Band Bg5, Seite 5, Tafel 6 findet sich das Wappen beschrieben, aber mit substantiellen Abweichungen, so werden die Helmdecken als blau-silbern angegeben, der Hirsch hat kein Halsband, ferner wird als Helmzier nur ein wachsender Hirsch angegeben, nicht das komplette Schildbild, wie es hier zutrifft. Eine weitere Beschreibung findet sich in Siebmacher, Band PoA Seite: 7 Tafel: 4, Schildbild und Helmzier korrekt wie hier abgebildet, Helmdecken aber als grün-silbern angegeben, ferner fehlt in der Helmzier das Halsband des Hirsches. Siebmacher Band Pr Seite: 86 mutmaßt über das Aussterben, was in Band PrE Seite: 17 Tafel: 13 revidiert wird und mit einer Wappenabbildung ergänzt wird, wobei das Halsband in Schild und Helmzier fehlt, ferner werden die Helmdecken nun als rot-silbern angegeben, und die Farbe des Hirsches ist mit Rot angegeben, um das Durcheinander zu vervollkommnen. Wiederum anders wird das Wappen im Westfälischen Wappenbuch geführt, die Helmdecken sind schwarz-silbern, damit haben wir alle Farbvarianten geschafft, das Schildbild wie oben angegeben, sogar mit goldenem Halsband, und als Helmzier begegnet uns ein hoher silberner Spitzhut mit schwarzem Stulp. Soweit zur Verläßlichkeit der reichlich vorhandenen und sich gegenseitig widersprechenden Literaturstellen.

Vier kleine, jeweils nach innen geneigte Wappenschilde in den vier Ecken geben die Ahnenprobe des Probanden an. Heraldisch rechts oben befindet sich der Schild von Bessel wie oben angegeben. Heraldisch links oben steht das mütterliche Wappen der von Schütz, geteilt, oben ein schwarzer Adler, unten ein Löwe, heraldisch rechts unten finden wir das Wappen der Großmutter väterlicherseits, das der Freiherren von und zum Pütz (rheinische Familie, 1618 geadelt) mit dem redenden Symbol eines gemauerten roten Ziehbrunnens mit Rolle in goldenem Feld (Rietstap / Rolland, ferner Siebmacher Band Pr, Seite: 58, Tafel: 75, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken der rote Ziehbrunnen zwischen einem goldenen oder golden-rot übereck geteilten Flug, dazu gibt es ein vermehrtes Wappen als Pütz von Adlersthurm), und heraldisch links unten finden wir das Wappen der noch fehlenden Großmutter mütterlicherseits aus der Familie der Freiherren von und zu Leerodt (niederrheinischer Uradel) mit einem gekrönten schwarzen Löwen in silbernem Feld (ungekrönt im Rietstap/Rolland, gekrönt im Siebmacher, Band Pr, Seite: 52, Tafel: 66, Helmzier wäre der schwarze, gekrönte Löwe wachsend, Helmdecken wären schwarz-silbern).

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1905 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Hermann Friedrich Macco. Das Exlibris ist unten in der Mitte datiert und mit LR signiert. Über dem Vollwappen Macco in der Mitte sind drei kleinere Schilde gruppiert, alles wird eingerahmt von Eichenästen, die das Motiv des Eichenzweiges der Helmzier aufgreifen. Hermann Friedrich Macco wurde am 13.7.1864 in Aachen als Sohn von Albert Gustav Ferdinand Macco und Maria Elise Mappes geboren. Erst machte er eine kaufmännische Lehre, dann studierte er an der TH Aachen Kunstgeschichte und in Heidelberg Geschichte. Er arbeitete zeitweise im Staatsarchiv Wetzlar. In Nürnberg heiratete er am 7.6.1893 Lina Sachs. In Aachen hielt er Vorlesungen über die Geschichte der Stadt. 1907 zog er nach Berlin, wo er am 23.8.1927, zwölf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, seine zweite Frau heiratete, Anny Müller. Der Eigner ist als Autor heraldischer und genealogischer Werke für Aachen und Umgebung bekannt, z. B. Aachener Wappenbuch, Aachener Wappen und Genealogien, Beiträge zur Geschichte rheinischer Adels- und Patrizierfamilien. Er war Mitglied in zahlreichen familienkundlichen, geschichtlichen und heraldischen Vereinen, so z. B. in der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, im Aachener Geschichtsverein, in der königlich niederländischen Genossenschaft für Familien- und Wappenkunde, im sächsischen Landesverein für Familienforschung, im Verein für die Geschichte Berlins, und natürlich auch im heraldischen Verein Herold, wo er seit dem 6.12.1904 Ehrenmitglied war und an der Wappenbilderkartei arbeitete und für den er auch etliche wappenkundliche Aufsätze schrieb.

Das Wappen Macco (vgl. Siebmacher, Band Bg3, Seite: 83, Tafel: 90, ebenfalls im Rietstap/Rolland, vgl. Biogr. Lex. d. Her. S. 334) zeigt in Blau eine von zwei goldenen Sternen beseitete, eingebogene rote Spitze mit einem geharnischten, silbernen Schwertarm darin. Auf dem bewulsteten Helm mit rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken ein goldener Eichenzweig pfahlweise zwischen einem offenen, rechts blau-golden und links silbern-rot geteilten Flug. Mangels Schraffur können die Farben nicht aus dem Exlibris abgeleitet werden. Optisch links oben findet sich das Motiv im gewendeten Wappenschild für die väterliche Abstammung wieder. Optisch rechts ist das Wappen für die mütterliche Abstammung (Mappes aus Frankfurt am Main) unter einem Schildhaupt mit balkenweise gelegtem Kanonenrohr gespalten, vorne eine nach oben geöffnete Schafschurschere, hinten eine Glocke (Hinweise zur Tingierung willkommen). Der dritte Wappenschild oben in der Mitte ist das Wappen der Heimatstadt Aachen (in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter schwarzer Adler).

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1909 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Albert Heuss. Das Exlibris ist unten rechts inmitten des "Wurzelwerkes" datiert und mit LR signiert. Das Wappen zeigt in Schwarz auf goldenem Dreiberg einen aufspringenden silbernen Bock. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken der silberne Bock wachsend (ohne Literaturbeleg, Hinweise willkommen).

Der nach innen geneigte Wappenschild in der optisch linken oberen Ecke ist gespalten von einem halben schwarzen Adler am Spalt und einem durchgehenden roten, sich an den Enden verbreiternden Kreuz in silbernem Feld. Das Pendant optisch oben rechts zeigt in rotem Feld den Hl. Georg zu Pferde, wie er den am Boden sich krümmenden Drachen mit einer oben in Form eines russisch-orthodoxen Kreuzes gestalteten Lanze ersticht.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1901 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Wilhelm Graf zu Leiningen-Westerburg. Hier sind Datierung und Signatur schwer zu finden: Beide befinden sich auf der rechteckigen Regal-Tür in der Mitte oberhalb des Schriftbandes unterhalb des Regalfaches mit Kerze, Tintenfaß und Sanduhr. Das Wappen ist gespalten: Rechts in Rot ein durchgehendes goldenes Kreuz, bewinkelt von 20 (4x 5 (2:1:2)) goldenen Kreuzchen (Stammwappen Westerburg), links in Blau drei (2:1) silberne Adler (Stammwappen Leiningen). Der im Stammwappen vorhandene Turnierkragen wird von der Linie Leiningen-Westerburg nur höchst selten geführt. Auf dem gekrönten Helm ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einer roten Scheibe mit einem durchgehenden goldenen Kreuz, bewinkelt von je 5 (2:1:2) goldenen Kreuzchen (Westerburg), wobei durch die Kreisform das äußerste an- oder weggeschnitten ist, Helmdecken rot-golden. Interessant ist, daß hier die Komponente Westerburg so stark in den Vordergrund gestellt wird und als alleinige Helmzier vertreten ist.

Im Bücherregal befinden sich allerlei interessante Attribute, so beweisen Kristalle und ein Fossil das Interesse für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, während auf der anderen Seite Mörser, Chemikalienflasche, Glaskolben und Retorte von chemisch-pharmazeutischem Interesse künden. Das paßt zur Person des Wilhelm Emich Thomas Graf zu Leiningen-Westerburg (geb. 11.5.1875 in Landshut, gest. 8.9.1956 in Salzburg), Dr. oec. publ. und seit 1907 Privatdozent und später Professor für Agrikulturchemie. Oben links befindet sich der bayerische Rautenschild, oben rechts das Stadtwappen von Landshut mit den drei (2:1) Eisenhüten, was die Zuordnung bestätigt. Er hatte in München und Heidelberg Chemie als Hauptfach und Botanik, Zoologie, Geologie, Gesteins- und Bodenkunde als Nebenfächer studiert, promovierte 1904 an der forstlichen Versuchsanstalt in München und habilitierte sich 1907 für Agrikulturchemie und Bodenkunde an der Universität München. Bis 1938 leitete er als ordentlicher Professor für forstliche Standortslehre und forstlich-chemische Technologie die Hochschule für Bodenkultur in Wien. 1901, das Jahr der Entstehung des Exlibris, begann er seine Assistententätigkeit bei Prof. Remann in München und seine Promotion.

Abstammung des Eigners ab der Erbheirat Westerburg/Leiningen:

  1. Reinhard III. v. Westerburg (-22.12.1449), vermählt mit Margareta v. Leiningen (-1470)
  2. Cuno I. v. Westerburg (23.10.1425-30.9.1459), vermählt mit Mechtild (Mathilde) v. Virneburg (-9.4.1483)
  3. Reinhard I. Graf v. Leiningen-Westerburg (28.8.1453-1522), vermählt mit Zimeria v. Sayn (13.5.1469-2.6.1499)
  4. Cuno II. Graf zu Leiningen-Westerburg (27.9.1487-23.11.1547), vermählt mit Maria zu Stolberg-Wernigerode (8.12.1507-6.1.1571)
  5. Georg I. Graf v. Leiningen-Westerburg (23.4.1533-1586), vermählt mit Margarethe zu Isenburg-Birstein (-8.8.1612)
  6. Christoph Graf zu Leiningen-Westerburg (30.9.1575-1635), vermählt mit Philippina Katharina Walpurgis zu Wied (-1647)
  7. Georg Wilhelm Graf v. Leiningen-Westerburg (10.2.1619-1695), vermählt mit Sophia Elisabeth Gräfin zur Lippe-Detmold (31.3.1626-23.8.1688)
  8. Georg II. Carl Ludwig Graf v. Leiningen-Westerburg (1666-1726), vermählt mit Margaretha Christiana Augusta Gräfin v. Gyldenløve-Danneskiold-Laurvig (18.7.1694-8.7.1761)
  9. Georg Ernst Ludwig Graf v. Leiningen-Westerburg (3.5.1718-24.12.1765), vermählt mit Maria Luise Gräfin v. Wiser (10.4.1710-7.5.1773)
  10. Carl IV. Joseph Philipp Ludwig Ernst Graf v. Leiningen-Westerburg (1739-27.7.1797), vermählt mit Marie Friederike Wilhelmine Elisabeth Schmitthenner (22.5.1753-29.4.1828)
  11. Georg Carl V. August Graf v. Leiningen-Westerburg (27.8.1789-17.3.1865), vermählt mit Elisabeth Theodori (15.9.1791-1859)
  12. Wilhelm Graf zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen (16.2.1824-29.4.1887), vermählt mit Therese Anna Adelgunde Flossmann (7.4.1842 -19.10.1918)
  13. Wilhelm Emich Thomas Graf zu Leiningen-Westerburg (11.5.1875-8.9.1956), vermählt am 14.3.1912 in München mit Kreszentia Eleonore Julie Mühlbaur (geb. 11.11.1880).

Er war der letzte Sproß nicht nur der Linie Leiningen-Westerburg-Neuleiningen, sondern auch des Gesamthauses Leiningen-Westerburg, und mit ihm ist diese traditionsreiche Familie erloschen.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1916 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Hermann Junge. Die Signatur mit dem charakteristischen Monogramm LR befindet sich unterhalb des Wappenschildes, die Datierung findet ihren Platz prominent unten auf dem das Wappen einschließenden Schriftband. Die Familie Junge stammt aus Rußdorf-Königshain in der Oberlausitz und verbreitete sich über Mitteldeutschland und Bayern. Der Eigner dieses Exlibris, Hermann Junge, war Familienarchivar und Verfasser der Familiengeschichte Junge. Er wurde in Erlangen am 8.10.1884 geboren und wurde, genau wie seine direkten Vorfahren in vier Generationen, Universitätsdruckereibesitzer und Verlagsbuchhändler in Erlangen. Im Siebmacher findet sich das Wappen im Band Bg13, S. 31, T. 21. Das Wappen Junge zeigt in blauem Schilde einen silbernen Wechselzinnenbalken über einem silbernen, oben gezinnten Balken. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm ein wachsender, silberner, goldenbewehrter, goldengekrönter, flugbereiter Schwan, Helmdecken blau-silbern. Von diesem Eigner gibt es mehrere verschiedene Exlibris.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Eike Pies, Neues Bergisches Wappenbuch bürg
erlicher Familien, Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 1, 1998, ISBN 3-87947-111-8
Willy Bockhacker, Geschichte des Geschlechtes Heuser, Berlin 1936.
Oldenburgische Geschichte:
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Oldenburger Wappen: Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Werke von Macco:
http://freepages.history.rootsweb.ancestry.com/~mlcarl/Lit/Gen/MACCO/Wap2/index.htm
Prof. Westerburg:
http://www.wabo.boku.ac.at/4478.html
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt: Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-109-6
Macco: Wappensammler, Band 7, Roland, Verein zur Förderung der Stammkunde, Dresden
http://books.google.de/books?id=yd0SAAAAYAAJ (nur mit US-Adresse) = Roland, Archiv für Stamm- & Wappenkunde, hrsg. von Lorenz M. Rheude, 7. Jahrgang 1906-1907, Verlag Gebr. Vogt, Roda, 1907, Kunstbeilage und S. 173-174

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